Kultur : All That Jazz

Sie haben jetzt die Gelegneheit, ein Glas Bier zu gewinnen.Nennen Sie bitte in den nächsten zehn Sekunden fünf polnische Jazzmusiker.Hat nicht geklappt? Das ist leider ganz normal.Die transatlantischen Äußerungen des amerikanischen Jazz sind uns Jazzfreunden bekannter als die swingenden Sounds unseres nächsten Nachbarlandes.Dabei gehört die polnische Jazzszene zu den kreativesten und vitalsten in Europa.

In dieser Situation ist das Programm des 1.Polnischen Jazz-Weekends zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein.Aber daß sich hier die Ohren wie Scheunentore ostwärts öffnen, dafür kann man die Programmmacher kaum genug loben.Im Quasimodo (Beginn jeweils 22 Uhr) zeigen am Donnerstag die Band "East West Wind" und am Freitag das Pjotr Wojtasik Quintet die aufstrebende Verfassung der polnischen Jazz-Szene.

Den Abschluß macht am Samstag der Nestor des modernen polnischen Jazz, Tomasz Stanko.Der Trompeter hat als erster auf seinem Instrument eine eigenständige europäische Sprache entwickelt.Sein dramatisch auftrumpfendes Spiel strotzt vor kratzigen, vokalen Farben.Slawisches Melos und Coltraneskes Freiheitspathos verdichten sich in seinen Komposititonen zu einer jubilierenden Melancholie.Und so entwirft Stanko mit seiner prominent besetzten Band (Jon Christensen, Bobo Stenson) schwebende Klang-Atmosphären, in die sein aggressives Zick-Zack-Spiel immer wieder wie ein Blitzstrahl fährt.

Mehr mit Witz und Humor als mit der geballten Avantgarde-Faust in der Tasche präsentieren der Baßklarinettist Rudi Mahall und die Pianistin Aki Takase ihr Programm "Vier Hände für Eric Dolphy".Das Duo erschlägt den bahnbrechenden Altsaxophonisten nicht mit musikalischen Denkmals-Statuen, sondern feiert ihn in brillanten, ebenso schnippischen wie frechen Dialogen (b-flat; heute, Beginn 22 Uhr).

Richie Beirah hat im Spiel mit dem Saxophonisten David Liebman kreative Langzeit-Energien gesammelt, die seine Musik im Feld des abstrakten, zeitgenössischen Jazz-Pianos zu einer Delikatesse machen.Im A Trane wirft sich Beirach in intime, kammermusikalische Gespräche mit dem Geiger Gregor Hübner (So.9.5., Beginn 22 Uhr).Einen Tag später gibt der Meister für alle Interessierten einen Workshop.Ach, bitte bringen Sie auch eine Eigenkomposition mit.Keine Angst, Beirach wird sie nicht zerreißen.Er wird daraus ein kleines harmonisches Meisterwerk machen.Im Wettrennen um den originellsten Band-Titel kommt es diese Woche wieder zu einem knappen Kopf-an-Kopf-Rennen.Die aktuellen Plazierungen.Erster Platz: Die Performance "Die Rache der Indianer an der europäischen Musik und anderen Kunstgattungen" mit dem Ensemble Art Clay & Erratum im Polnischen Kulturinstitut.Zweiter Platz: Die Klanginstallation "Die Verteidigung der Sittsamkeit" im Geschütz-Schuppen Moabit.Freitag ab 21 Uhr wird dort free geschossen.Dritter Platz: "The Buddhas" am Mittwoh in der Ufa-Fabrik.Untertitel: "Comedian Harmonists auf Ecstasy".Das Vokalquintett singt sich quer durch alle Stile bis in Techno-Trance (Beginn 20 Uhr).

Und wem das alles zu verstiegen und jazzig verquirlt klingt, dem bietet sich im Tacheles (So., 22 Uhr) eine interessante Alternative: Smog.Weiß der Geier, was das ist.Untertitel: "Pop mit Tristesse".

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