Kultur : Alle Tage gute Tage

TANZTHEATER

Franz Anton Cramer

Rot strahlen die Bildschirme, rot ist die Unterwäsche der Tänzerinnen. Später flimmern schwarzweiße Straßenszenen über die Monitore der „halle“, dem Spielort der Compagnie Toula Limnaios (Eberswalder Str. 10-11, noch bis 21.12.). Prompt streift sich das Ensemble graue Kleidungsstücke über, und alle Sinnlichkeit ist dahin. In Better Days hat sich die Choreografin erneut mit Samuel Becketts „Texten um Nichts“ befasst und die ernüchternde Bilanz eines Alltagslebens zu ziehen versucht. Repetitive Gesten gehen allmählich in eine routinierte Trance über. Immer drängender spielt sich die Erinnerung an „Bessere Tage“ in den collagierten Soundtrack von Ralf Ollertz und die schluchzenden balkanischen Gesänge Elwira Niewieras ein: Jacques Brels „Valse à trois temps“ erklingt anfangs taktweise, zuletzt in voller Länge. Und sogleich wirbelt Lena Meierkord durch den Raum, als habe sie nur auf diesen Moment der entschlossenen Hingabe gewartet. Ein trügerischer Moment: die Walzerseligkeit gerät zum Totentanz. Wie überhaupt die Anmut bei Toula Limnaios trügerisch ist. Denn dahinter lauert die Schwere der Bedeutung. Auch wenn sie, am Ende von Ventilatoren wieder zerstäubt wird – ein optimistischer Ausklang.

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