Kultur : Alle Windeln flattern hoch

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Der Mann, Angestellter bei einer Versicherung, ist schwanger und muss in den Mutterschaftsurlaub. Sagt, besser schreibt, druckt und befiehlt ein behördenzugelassener Computer. Ein Fehler? Schon Christian Morgenstern wusste, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Also lassen Folker Bohnet und Alexander Alexy dem übrigens historisch belegten elektronischen Fruchtbarkeitswunder seinen Lauf, in einer „Klamödie“ mit dem einfühlsamen Titel „In anderen Umständen".

Was dabei herauskommt, reicht vom kindlichen Ulk bis zum schreienden Blödsinn - aber halt, da haben die Schreiber doch eine hübsche Verfremdung eingebaut. Die Schauspieler, zumindest zwei von ihnen, sind nämlich gar nicht da. Die stecken im Stau und werden durch die beiden biederen Zuschauer ersetzt, die vorsichtshalber schon auf dem Besetzungszettel stehen. Solche „Laien“ aber, so ist dann die Verabredung, dürfen jeden möglichen und unmöglichen Klamauk auf der Bühne veranstalten. Die Fabel schnurrt hurtig herunter. Unser behördlich geschwängerter Versicherungsmann wird von allerlei Leuten heimgesucht, die ihr Geschäftchen machen wollen. Gespielt werden die mehr oder weniger Depperten samt und sonders von den beiden aus dem Parkett. Perücken und Brillen, falsche Zähne und Wattierungen für Bauch und Schenkel, alles wird aus dem Fundus geholt. Vertreterkoffer klappen auf und zu, ein Kinderwagen rollt, das Baby-Bettchen steht, die Windeln flattern.

Damit es nicht gar so sehr vordergründig wird, gibt es auch ein paar politische und brancheninterne Pointen. Stoiber, Wowereit und, wieder einmal, Kritikerpapst Reich-Ranicki bekommen ihr Fett weg. Die „Truppe Bohnet“, denn der Mit-Autor spielt selbst den biederen Angestellten und führt dazu noch Regie, lässt sich keine Wirkung entgehen, mag sie auch noch so offensichtlich sein. Ein flottes Tempo allerdings wird gehalten - und keiner auf der Bühne nimmt das Ganze sonderlich ernst. Glücklicherweise. Christoph Funke

Wieder 23. bis 31. Juli, 20 Uhr.

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