Kultur : Allein im Wald

Zum Tod des Lyrikers und Erzählers Heinz Piontek

Jörg Plath

Um Heinz Piontek war es seit langem ruhig geworden. 1990 erschien eine zweibändige Auswahl aus seinen Gedichten und Erzählungen im Bergstadtverlag W. G. Korn. So sehr sich Piontek darüber gefreut haben mag – der außerhalb von Würzburg unbekannte Publikationsort zeigte auch, wie sehr er bereits vergessen war.

Dabei war Piontek in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg ein Star. Seine Lyrik und Prosa standen in mehr als 500 Schulbüchern und wurden in 24 Sprachen übersetzt, seine Essays, Übersetzungen (von John Keats) und Hörspiele fanden zahlreiche Leser und begeisterte Kritiker. Mehr als 50 Bücher verfasste Piontek oder gab sie heraus. Schon seine ersten Gedichtbände „Die Furt“ (1952) und „Die Rauchfahne“ (1953) fanden Lob. Piontek galt als Vertreter der hoch angesehenen Naturlyrik. Alle zwei Jahre, bald jährlich legte er Bücher vor. Sitzfleisch, wie der Autor bekannte, und eine an Halsstarrigkeit grenzende Ausdauer begründeten ein umfangreiches Werk.

Piontek, 1925 in der oberschlesischen Grenzstadt Kreuzburg geboren, gehörte der letzten Generation an, die in den Krieg ziehen musste. Nach der Gefangenschaft holte er das Abitur nach, studierte Germanistik und wurde schon 1948 freier Schriftsteller. Mit zeitloser Melancholie artikulierte er in Gedichten und Erzählungen das Lebensgefühl vieler. Es ist eine Dichtung des trauernden Ichs, dem der Ausbruch in die Wirklichkeit durch die Verbrechen der Nationalsozialisten verlegt ist. Die Natur gilt ihr als ein unangefochtenes Residuum, weshalb Piontek keinen Anlass sah, bestimmte Wörter nicht mehr zu benutzen: „Vorüberziehende Herde. - / Nun bin ich mit mir allein. / Morgen vielleicht schon werde / ich wie das Wasser sein.“

Natürlich hatte der konservative Einzelgänger mit der Gruppe 47 nichts zu tun. Die Politisierung der Literatur in den Sechzigerjahren ließ bereits Gefährten wie Hans Carossa, Elisabeth Langgässer und Rudolf Hagelstange vergessen. Piontek drohte dasselbe Schicksal und er schilderte das voller Ressentiments in seinem autobiographischen Roman „Dichterleben“. Just als das Buch 1976 erschien, wurde ihm noch der Büchner-Preis zugesprochen. Kurz vor seinem 78. Geburtstag ist er, wie nun bekannt wurde, am Sonntag in einem Pflegeheim in Rotthalmünster bei Passau gestorben.

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