Kultur : Alleine auf der Flucht

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Akim hat alles verloren – nun weiß er nicht, wohin. Er kann nur fliehen, um sein Leben zu retten. Illustration: Claude K. Dubois
Akim hat alles verloren – nun weiß er nicht, wohin. Er kann nur fliehen, um sein Leben zu retten. Illustration: Claude K. Dubois

Es fängt alles ganz harmlos an, wahrscheinlich ist es immer so. Der kleine Akim spielt mit seinen Freunden am Fluss, als plötzlich die Luft „von dumpfem Lärm und Schüssen“ erfüllt ist. Flugzeuge tauchen am Himmel auf. Plötzlich fallen Bomben. Es kracht und knallt, überall Trümmer, Rauch, Tote. Akim rennt um sein Leben, er ist allein. So beginnt Claude K. Dubois ihr bewegendes, wortarmes Bilderbuch „Akim rennt“. In flüchtigen Schwarz-Weiß-Skizzen wirft sie die Geschichte auf das Papier, koloriert sparsam mit ein paar Brauntönen. Der Stil ist genauso gehetzt wie Akim. Kinder wie er gibt es im Moment viele auf dieser Erde, vor allem Syrien fällt einem dazu ein. Es sind zum Beispiel diese syrischen Kinder, die über das Fernsehen und die Zeitungen jetzt in unser Leben eintreten, auch in das unserer Kinder. Wie erklärt man ihnen, was ein Flüchtling ist? Was er durchgemacht hat? Wie er vielleicht zu uns in ein Flüchtlingsheim gekommen ist?

Dubois versteht es, am Beispiel Akims behutsam so ein Schicksal zu erzählen: Erwachsene, die kurzzeitig helfen, Soldaten, die ihn für sich schuften lassen, bis sie selber angegriffen werden und er wieder fliehen kann, noch verlorener als vorher. Er schließt sich Flüchtlingen an und wird gerettet. Natürlich muss es bei diesem Thema für Kinder ein Happy End geben. Akim findet seine Mutter wieder – aber was hat er alles gesehen? Das Buch hilft Kindern zu erklären, was ihre Altersgenossen beispielsweise in Konfliktregionen gerade erleben, es ist ehrlich, aber es macht auch Hoffnung. Rolf Brockschmidt

Claude K. Dubois: Akim rennt. Aus dem Französischen von Tobias Scheffel. Moritz Verlag, Frankfurt am Main 2013. 96 Seiten. 12,95 Euro. Ab sechs Jahren.

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