Kultur : Allerliebst

Im Kino: „Fliegende Fische müssen ins Meer“

von
Mädchenliebe. Nana (Elisa Schlott) liebt Eduardo (Barnaby Metschurat). Foto: Promo
Mädchenliebe. Nana (Elisa Schlott) liebt Eduardo (Barnaby Metschurat). Foto: Promo

Sie ist knapp 16, er ist Ende 30. Und es ist Liebe. Zumindest von ihrer Seite. Oder sollte man es eine erste heftige Verliebtheit nennen? Nein, „Fliegende Fische müssen ins Meer“ ist nicht der zufallsaktuelle Spielfilm zur Affäre des CDU–Mannes Boetticher. Nana (Elisa Schlott) schwärmt zwar für den jungenhaften Arzt Eduardo (Barnaby Metschurat), der frisch in die hochrheinische Gemeinde an der deutschschweizerischen Grenze gezogen ist. Er aber lässt keinen Zweifel daran, dass er Nana in ihren Berufswünschen – Kapitänin will sie werden – ermutigt, doch Liebe oder zumindest das Liebemachen? Da hält er sich an die rundweg ausgewachsenen Damen vom Dorf.

Und eigentlich sucht Nana ja auch nur einen Mann für ihre Mama, die „Arschkarte unter den Müttern“, wie sie mit burschikoser Zuneigung formuliert. Roberta (Meret Becker) hat drei Kinder von drei Männern, und Nana muss sich um alles und alle kümmern: um ihre jüngeren Geschwister, ums Geldverdienen als Schleusenwärterin am Wasserkraftwerk und natürlich um ihre allseitig flatterhafte Mutter. Als wär das nicht genug Stress für Nana, will jetzt auch noch die strenge Tante vom Jugendamt alle drei Kinder ins Heim stecken.

Das hätte im Kino allerhand werden können, von der Klamotte bis zur Tragödie. Regisseurin Güzin Kar, 1971 in der Türkei geboren und in der Schweiz aufgewachsen, entscheidet sich für eine Coming-of-Age-Geschichte in den bunten Farben eines Jungmädchentraums. Nana ist die Off-Erzählerin ihres Lebens, dessen sanft überzeichnetes Personal wie auf Knopfdruck loskaspert – und die Schauspieler machen das allerliebst. Nur Elisa Schlott und Barnaby Metschurat dürfen ihr Nicht-Liebespaar zart unterspielen: Es muss Liebe sein. Jan Schulz-Ojala

Moviemento. Zur Vorführung am heutigen Sonnabend werden Meret Becker, Barnaby Metschurat, Elisa Schlott und Güzin Kar anwesend sein, 20.30 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar