Kultur : Alles auf Brecht

Noch vier Wochen: Regisseur Brandauer wirbt für die „Dreigroschenoper“ im Berliner Admiralspalast

Andreas Schäfer

Wie bei Großereignissen nicht unüblich, steht auch hier der mediale Aufwand zur Substanz noch in einem ungünstigen Verhältnis. Eine ganze Journalistenhundertschaft ist in den Admiralspalast an der Friedrichstraße gekommen, um dabei zu sein, wenn Klaus Maria Brandauer, Österreichs bekanntester Schauspieler mit James-Bond-Nahkampferfahrung, das hochkarätig besetzte Brecht-Spektakel „Die Dreigroschenoper“ vorstellt. Doch leider gibt es dann wenig zu berichten. Bis auf die Tatsache, dass der Admiralspalast, der früher das Metropol-Theater und ganz früher eine Bade- und Saunalandschaft beherbergte, gut vier Wochen vor der Premiere mehr einer Schuttlandschaft als einem Theater gleicht.

Aber sonst: „Eigentlich gibt es nichts Neues“ (Regisseur Brandauer). „Ich hab schon früher auf Sandbergen gespielt“ (Katrin Sass, Frau Peachum). Nach fünf Minuten war alles gesagt, was zu sagen war: „Die Dreigroschenoper“ wird das Event des Sommers. Die Premiere findet am 11. August statt, drei Tage vor Brechts 50. Todestag. Der Admiralspalast ist genau der richtige Ort für diese Veranstaltung, denn „Brecht ist ein Berlin-Autor“ (Brandauer), und ein paar Meter weiter, im Theater am Schiffbauerdamm, wurde das Stück 1928 uraufgeführt. Außerdem ist Campino von den Toten Hosen, der als Mackie Messer sein Theaterdebüt gibt, sehr nervös und „voller Zweifel“, aber das „bin ich sonst auch immer“. Was noch? Theater, so Brandauer, ist „zum Unterhalten da“ und die Deutsche Bahn und Deutsche Bank die Hauptsponsoren. Zum Glück ist Klaus Maria Brandauer ein guter Gastgeber und führt Journalisten eine kleine theatralische Privatimprovisation auf. Titel: Wie ich mich vom Anekdotenerzähler zum giftenden Theaterimperator verwandele. Auf die einfache Frage einer Journalistin, wie er denn zu Brecht gekommen sei (er ist in dieser Hinsicht tatsächlich noch nicht weiter aufgefallen), entsichert Brandauer sein beträchtliches Hämepotenzial, zitiert einen Brecht-Gedichtanfang und beschämt die Frau, in dem er sie süffisant auffordert, die zweite Strophe aufzusagen.

Auf eine zweite Frage erwidert er: „Das grenzt ja an Körperverletzung“, auf eine dritte: „Ich bin doch kein Schüler.“ Mehr Fragen werden dann auch nicht gestellt, und nach fünfundzwanzig Minuten ist die Veranstaltung beendet. Ob aus der Baustelle bis zum 11. August ein Theater wird, ist offen, aber nicht unwahrscheinlich. Es wird Tag und Nacht gearbeitet. Eines aber steht fest: So großspurig ist zuletzt Brecht in diese Stadt eingeritten.

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