Kultur : Alles Copyright

Grenzgänger zwischen den Museums-Gattungen: Das Wiener MAK schützt seinen Namen als Marke

Bernhard Schulz

Peter Noever ist ein Künstler – und lässt nicht los von dem alten Traum, Kunst und Leben zu vereinen. Seit 17 Jahren steht er dem Wiener Museum für angewandte Kunst vor, das niemand in Wien mehr mit seinem vollen Namen nennt, sondern allein mit dem Kürzel „MAK“. Denn das Kürzel ist mehr als ein Kürzel, es ist ein Markenzeichen, und als solches hat Noever es im Rechtsstreit mit dem Frankfurter Museum gleichen (Voll-)Namens mittlerweile für sich erkämpft.

Das ist immerhin ein Novum im Museumswesen – oder auch wieder nicht, wenn man an das eingeführte Kürzel des New Yorker MoMA denkt. Mit der frohen Botschaft eröffnete Noever dieser Tage seine Jahrespressekonferenz, die einen festen Bestandteil des Wiener Kulturkalenders darstellt und vom Direktor entsprechend zelebriert wird. Nun erfordert die Wiener Museumslandschaft auch besonderen Einsatz im Kampf um Aufmerksamkeit, denn die Konkurrenz der Häuser ist, auch durch Neuzugänge wie das ausgedehnte „Museumsquartier“ (Markenzeichen: MQ) enorm gestiegen. Sie sind aus der staatlichen Totalaufsicht in die finanzielle Eigenverantwortung entlassen worden und müssen mit ihren vom Ministerium fixierten Budgets zurechtkommen.

Damit hadert Noever. Seine diesjährigen Ausführungen stellte er unter das Motto „Fluchtpunkt Museum“. Er ist der Grenzüberschreiter schlechthin, stets hat er mit Künstlern Ausstellungen erarbeitet, die selbst Gesamtkunstwerke waren, mit so schwierigen Zeitgenossen wie James Turrell, Franz West oder Richard Artschwager. Von der medialen Präsenz her – die das Haus akribisch zählen lässt und dabei für das vergangene Jahr auf 3073 „Erwähnungen“ kommt – dürfte Noever keinen Grund zur Klage haben; doch es fehlt an Geld, denn das zuständige Ministerium bewilligt nur acht Millionen Euro, so dass kein Geld für Ankäufe übrig bleibt. Noever hat es noch nie an Einfällen fehlen lassen, auf die Misere aufmerksam zu machen, und so stehen auch jetzt in der riesigen Haupthalle des k.u.k-Ringstraßengebäudes einige Objekte herum, die das Haus gerne durch Mäzene erwerben würde. „Wir sind ein Schlachtschiff, das sich bewegt, das aber manövrierunfähig ist“, umschreibt der wortmächtige Direktor die Situation.

Aus der Ferne betrachtet, scheint das Problem des Hauses im Oszillieren zwischen den Gattungen zu bestehen. Derzeit zeigt es, seinem ursprünglichen Namen und Auftrag gemäß, eine umfassende Ausstellung zu Orientteppichen. Und auch im Herbst kommt, lange erwartet, ein klassisches Thema zur Anschauung: „100 Jahre Wiener Werkstätten“. Doch dann überrascht das Haus zum Beispiel mit der gemeinsam mit den Berliner Festspielen organisierten Ausstellung „Davaj! Aus dem Laboratorium der freien Künste in Russland“. Sie hatte vor genau einem Jahr bei ihrer Erstpräsentation im Postfuhramt in der Oranienburger Straße ihren womöglich glücklicheren Ort gefunden.

Dann wieder entwickelt das MAK ein Konzept zur Bespielung eines der drei Flaktürme, die als Erbe der „Anschluss“-Zeit das Wiener Stadtbild bereichern. Auch dieses Projekt eines „Zentrums für zeitgenössische Kunst“ wurde bereits an der Spree vorgestellt. Das MAK baut Allianzen – aber welches Haus entspräche ihm in Berlin?

Durch seine vielfältigen Aktivitäten wird das MAK weniger als Museum mit Dauerpräsentation denn als Ausstellungsinstitution wahrgenommen. Im vergangenen Jahr konnte es mit 170000 Besuchern einen Höchststand vermelden – und wehrt sich doch zugleich dagegen – in Noevers Worten –, dass Ausstellungen „im ,Kalten Krieg‘ um höherer Besucherzahlen immer mehr zu Handlangern des Entertainments mutieren“. Dabei sind beispielsweise die mit großem Erfolg etablierten langen Museumsabende, neudeutsch „MAK NITE“ geheißen und gleichfalls unter Copyright gestellt, zweifellos Teil des Kultur-Entertainments.

Nur mit dem Shoppen, das inzwischen zu jedem Museum gehört, hapert es derzeit. Der wundersame Bücherladen, den der New Yorker Architekt James Wines 1992 in eine Gebäudeecke zauberte, steht leer. Er war mit acht Quadratmetern, aber 15 Metern Höhe auf Dauer zu klein und unübersichtlich. Der Kölner Kunstbuch-Mogul Walther König, um Übernahme gebeten, musste passen. Er fand keinen geeigneten Buchhändler.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben