Kultur : Alles gesagt

Bernhard Schulz besucht Hans Stimmanns Abschiedsvorstellung

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Zum letzten Mal trete er in der Öffentlichkeit auf, leitet Senatsbaudirektor Hans Stimmann sein 85. „Architekturgespräch“ ein – wie zu erwarten gänzlich unsentimental und zudem mit dem verwirrenden Zusatz „in dieser Legislaturperiode“. Dabei dreht er schon seit gut einem Jahr seine Abschiedsrunden, hat sein 15-jähriges Wirken in Buchform bilanziert und sein Amt wohl bestellt. Alters- und abschiedsmilde präsentiert er sein letztes Podium, diskussions- und gremienerfahren wie kein zweiter, stets in der Lage, konträre Positionen und Personen so zu vereinen, dass am Ende ein Konsens herauskommt: der, den er ohnehin angestrebt hatte.

Doch ausgerechnet die Abschiedsvorstellung des zur festen Institution gewordenen „Architekturgesprächs“ geht merkwürdig daneben. Es kommt kein Gespräch auf; stattdessen halten vier Referenten vier Monologe, und neu oder gar überraschend ist nicht ein einziger Satz. Wer will schon zum hundertsten Mal Axel Schultes’ Lamento über sein nicht gebautes „Bürgerforum“ hören, wer abermals wissen, wie sich Ex-MdB Peter Conradi für die Parlamentsneubauten im Sinne der Vor-89er Bonner Republik geschlagen hat? Dass am Ende eine junge Architektin aus dem Publikum heraus giftig wünscht, Stimmann möge nach der Wahl „die Stadt verlassen“, ist ein Tiefpunkt an Taktlosigkeit und an Dummheit dazu. Gewiss, Stimmann hat sich Feinde gemacht, wie denn anders in seinem exponierten Amt, er hat 15 Jahre lang an seinem Architektenzirkel festgehalten, der gleichwohl viel zahlreicher war, als die Missgünstigen schimpfen. Doch dass unter seiner Amtszeit keine jüngeren Büros nachgerückt und mit Aufträgen versehen worden wären, gehört ins Reich jugendseliger Legendenbildung.

Vor allem hat Berlin ein städtebauliches Konzept, niedergelegt in Stimmanns Vermächtnis des weiterhin gültigen „Planwerks“. Man mag es kritisieren, aber dass es überhaupt existiert, hebt die Stadt über viele planlos herumwurstelnden Kommunen weit hinaus. Die Messlatte für den Amtsnachfolger hat Hans Stimmann denkbar hoch gelegt, und es würde nicht verwundern, wenn sich die Öffentlichkeit seiner Workshops, Symposien und „Architekturgespräche“ alsbald mit Wehmut erinnerte. Wie an den Mann und sein Wirken überhaupt.

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