Kultur : Alles Jura

Der Deutsche Kulturrat feiert seinen 25. Geburtstag

Bernhard Schulz

25 Jahre alt ist der Deutsche Kulturrat dieser Tage geworden – Anlass genug, den Geburtstag an würdigem Ort, im Berliner Liebermann-Haus am Pariser Platz, zu begehen. Was der Kulturrat ist, lässt sich mit dem Wort „Interessenvertretung“ klar umreißen: Mittlerweile 230 Fachverbände aus allen Feldern der Kultur (und nachgelagerter Bereiche) gehören ihm an und artikulieren durch ihn mit einer einzigen Stimme, was ansonsten in der Kakophonie von Einzelmeldungen untergehen würde.

Anerkannt ist der Kulturrat bei den Kulturpolitikern, und so war es eine beinahe schon selbstverständliche Geste, dass Kulturstaatsminister Bernd Neumann am Mittwochabend den Festvortrag hielt. Immerhin unterstützt seine Behörde das Rats-Sekretariat mit 205 000 Euro im Jahr. Neumann sagte Nettigkeiten zum Kulturrat und zeichnete im übrigen die Grundlinien seiner Politik, gewissermaßen um sich der Unterstützung der Interessenvertreter zu versichern. Von Neumann wie auch in der anschließenden, etwas zähen Podiumsdiskussion zum Thema „25 Jahre Kulturpolitik in Deutschland“ mit Politik-Matadoren aus Bund und Ländern wurde zu dem running gag der überbordenden Pressemitteilungswut des Geschäftsführers Olaf Zimmermann gegriffen, um den Saal bei Laune zu halten. Andererseits: Was wären wir alle, die wir das trockene Brot der Kulturpolitik kauen, ohne die täglichen Wortmeldungen, die uns auf die Klippen von Steuer- und Sozialrecht, von EU-Verordnungen und GATS-Verhandlungen aufmerksam machen? In der Sphäre der Politik wird nun einmal alles zu Paragrafen, bedarf es juristischen Sachverstands, um mögliche Fallstricke zu erkennen. Darin hat sich der Kulturrat immer und immer wieder bewährt, der seine Gründung am 14. September 1981 einer drohenden Erhöhung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für kulturelle Güter verdankt. Oder war es der Wegfall der Übungsleiterpauschale? Da waren sich die Veteranen nicht ganz einig.

Die Selbstdarstellung des Deutschen Kulturrats liest man indes besser nicht – zu sehr hat das Funktionärsdeutsch auf diejenigen abgefärbt, die doch die Vitalität von Kultur verteidigen sollen. So war es eine Labsal, dass der Festabend mit der Verleihung des (undotierten)„Kulturgroschens“ an Daniel Barenboim ausklang, gerahmt von einem deutschen und einem türkischen Musikensemble. Der Kulturrat als solcher war’s zufrieden. Ad multos annos!

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