Kultur : Alles neu im März

Fine Art Fair Frankfurt reduziert ihre Galerienzahl

Sandra Danicke

Offener und transparenter solle die neue „fine art fair frankfurt“ werden, ohne „Hasenstall-Kojen“ und Sparkassen-Teppich – das hatte der neue Leiter, Michael Neff, gleich nach seiner Berufung verkündet. Mit 75 Ausstellern wolle man halb so viele wie bisher einladen. Dass bislang erst 38 Galerien eine Zulassung bekommen haben, die in der 15 000 Quadratmeter großen Halle 9 vom 16. bis 19. März wohl nur einen Bruchteil des Terrains besetzen werden, war allerdings nicht zu erwarten – zumal sich 230 beworben hatten.

Doch die Jury aus Institutsleitern, Kuratoren und Sammlern war streng. Der Geschäftsführer der Messe, Michael Peters spricht bei der Auswahl von der „Crème de la Crème“ der europäischen Galerien, was angesichts der Tatsache, dass 28 Galerien aus Deutschland und die übrigen aus der Schweiz, Österreich und Luxemburg kommen, sehr vollmundig klingt. Sei es drum, die auserwählten Teilnehmer zählen tatsächlich zu den interessantesten zeitgenössischen Galerien im deutschsprachigen Raum, und sie haben sich ein beachtenswertes Programm vorgenommen. Die wenigsten werden in der vom Berliner Architektenbüro Kühn Malvezzi entworfenen Messearchitektur allerdings ihre Topstars zeigen. Da bilden die Berliner Contemporary Fine Arts mit Jonathan Meese, der zusammen mit Tal R eine Installation aufbauen wird, eine Ausnahme. Zahlreiche Galerien setzen auf junge Positionen, die sich in der Kunstszene bereits einen Namen gemacht haben, deren Preise jedoch noch nicht explodiert sind. So zeigt die Berliner Galerie Neu den Multimediakünstler Christian Flamm, der poppige Scherenschnitte und Skulpturen zu suggestiven Installationen verbindet. Auch Bernhard Fruehwirth, präsentiert von der Wiener Galerie Gabriele Senn, verschränkt Zeichnungen mit Fotografien und Skulptur zu multimedialen Raumarbeiten, die bisweilen an Jugendzimmer oder Swinger Clubs erinnern. Der Wiener Kollege Georg Kargl stellt mit Gabi Trinkaus eine Österreicherin vor, die mit glamourösen Porträt-Collagen die Schönheitsindustrie kritisiert. Und die Galerie Nächst St. Stephan, ebenfalls Wien, setzt mit Bernard Frize auf einen Franzosen, der die Malerei auf ihre elementarsten Bestandteile reduziert, während Nicolas Krupp aus Basel mit Monica Studer und Christoph van den Berg ein Künstlerpaar zeigt, das monumentale Alpenmalerei mit dem Computer kreuzt. Regelrecht klassisch mutet dagegen Hans-Jörg Mayer an, dessen figürliche Malerei erst auf den zweiten Blick respektlos und trashig wirkt; präsentiert werden seine Arbeiten von Christian Nagel, Köln/Berlin.

So heterogen das Programm der Galerien auch ist, zweierlei wird es bei der Frankfurter Kunstmesse diesmal wohl nicht geben: schmerzende Füße und Langeweile.

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