Kultur : Alles psycho

Franck Noack

David O. Selznick, der Produzent von „Vom Winde verweht“, dachte auch privat in Superlativen. Als seine Freundin und spätere Ehefrau Jennifer Jones an Depressionen litt, hätte er sie am liebsten zu Sigmund Freud in Behandlung geschickt, aber der war schon tot. Also vertraute er sie in der Schweiz dem Freud-Rivalen Carl Gustav Jung an. Die Depressionen blieben – aber immerhin sprang für Jones ein Oscar heraus. Um die Öffentlichkeit auf diese Heilmethode aufmerksam zu machen, produzierte Selznick 1945 Spellbound – Ich kämpfe um dich (Montag im Arsenal). Alfred Hitchcocks Regiearbeit überzeugt vor allem als Kriminal- und Liebesfilm, die ärztlichen Fachgespräche laden eher zum Schmunzeln ein.

Von Hitchcock stammt auch der Film, der sich dreist Psycho nennt – als könnte er allein dieses schwierige Thema besetzen (Dienstag im Arsenal). Während die Psychoanalyse in „Spellbound“ noch ein geeignetes Mittel war, um einen Mord aufzuklären und einen Mann von Amnesie zu heilen, wird in „Psycho“ niemand gerettet oder geheilt. Der Analytiker muss sich am Ende damit begnügen, das Verhalten des überführten Serienmörders Norman Bates (Anthony Perkins) zu erklären. 35 Jahre später, in Todd Verows Frisk (1995), war der Typus des Serienmörders schon so vertraut, dass man sein Verhalten nicht mehr erklären musste (Montag im Arsenal). Verow rekonstruierte die sadistischen Taten seines schwulen Helden auf ebenso nüchterne wie schmerzhafte Weise und verschaffte dem Arsenal, damals noch in der Welserstraße, ungebetenen Besuch von der Polizei, die die Kopie des Films beschlagnahmen wollte.

Therapie zwecklos – dieses Fazit vermitteln die meisten Filme, die sich mit Hillbillies befassen. Die deutsche Übersetzung „Hinterwäldler“ klingt zu harmlos. Im US-Kino der siebziger Jahre waren Hillbillies schwabbelige, ungewaschene, zahnlose Männer, die ihren Wald mit der Waffe gegen zivilisierte Eindringlinge verteidigen. Das Eiszeit-Kino widmet dem Phänomen eine Reihe. Der Blick auf die Hillbillies ist oft denunziatorisch, aber manchmal werden auch soziale Missstände angeprangert. Als Rarität ist, am Sonnabend, John Fords Tragikomödie Tobacco Road (1941) zu empfehlen, die auf dem Roman von Erskine Caldwell basiert. Der eleganten Gene Tierney („Laura“) wurde eine Hasenscharte auf die Oberlippe gemalt, damit sie als arme Farmerstochter überzeugt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar