Kultur : Alles wächst

Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Erfolge und Aussichten

Bernhard Schulz

Rundum zufrieden zeigte sich Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, bei der gestrigen Berliner Jahrespressekonferenz dieser größten deutschen Kultureinrichtung. Das gilt für Rück- wie Vorschau. 2003 sei ein „offensives, ertragreiches, perspektivenreiches Jahr“ gewesen. Erstmals habe die neue Alleinfinanzierung der Baumaßnahmen durch den Bund gegriffen, zudem stiegen die Besucher- und Nutzerzahlen: um zehn Prozent bei der Gesamtheit der Museen – von 3,2 Millionen auf 3,55 Millionen Besucher – und gleich um 18 Prozent im Lesesaal der Staatsbibliothek am Kulturforum. Kinder und Jugendliche bis zu 16 Jahren werden die Museen ab 1. April unentgeltlich besuchen können; auch ein spezielles Programm wird für sie aufgelegt.

Irritation ausgelöst hat die Öffnung des in Moskau bewahrten, 1945 von der Roten Armee abtransportierten Eberswalder Goldschatzes für ein deutsches Fernsehteam. Lehmann erwartet eine Einladung zur Besichtigung durch Wissenschaftler der Stiftung.

Für 2004 kündigt Lehmann ein wahres Feuerwerk an Neu- und Wiedereröffnungen an. Der Reigen beginnt Ende Mai mit Schloss Köpenick, dem Zweitsitz des Kunstgewerbemuseums, als Haus für Renaissance und Barock. Am 3. Juni schließt sich die Eröffnung der nunmehr „Museum für Fotografie“ genannten Einrichtung rund um die Helmut Newton Foundation an. Acht Tage später folgt die Wiedereröffnung des Museums für Vor- und Frühgeschichte im renovierten Langhansbau des Charlottenburger Schlosses. Am 22. September eröffnet die Flick Collection in der Rieck-Halle – und zum Auftakt auch in allen Räumen des benachbarten Hamburger Bahnhofs, so dass die Sammlung Flick erstmals in Gänze zu sehen ist. Schließlich werden vom 16. bis 18. Oktober die Türen des Bode-Museums geöffnet – zur Besichtigung der Tresore des Münzkabinetts wie auch zum Vorgeschmack auf die Wiedereröffnung des ganzen Hauses im folgenden Jahr. Ebenfalls im Vorgriff auf 2005 kündigt Lehmann die Übersiedlung der ägyptischen Sammlung ins Alte Museum an, das damit künftig keine Wechselausstellungen mehr beherbergen wird (auch die „provisorische“, bereits elf Jahre alte Glasfassade soll verschwinden). Grund für diesen Umzug noch vor dem endgültigen Einzug ins Neue Museum ist der Umstand, dass sich dessen Fertigstellung bis 2009 verzögert. Zugleich soll den Politikern die Notwendigkeit demonstriert werden, das geplante neue Eingangsgebäude der Museumsinsel mit allen Serviceeinrichtungen endlich in Angriff zu nehmen.

Lehmann bezeichnete es als „ganz wichtigen Sieg“, dass Sanierung und Ergänzung der Staatsbibliothek Unter den Linden nunmehr „ohne Finanzierungsvorbehalt“ für insgesamt 326 Millionen Euro bis 2011 genehmigt sind. 2007/8 soll bereits der neue zentrale Lesesaal eröffnet werden. Um der Platznot der Staatsbibliothek abzuhelfen, soll bis 2010 in Friedrichshagen ein Magazingebäude für sechs Millionen Bücher, aber auch für Lagerbestände der Museen errichtet werden.

Der Haushalt beläuft sich in diesem Jahr auf 254 Millionen Euro, wobei die allein vom Bund getragenen Baumittel knapp 101 Millionen Euro ausmachen. Von den Betriebsmitteln trägt der Bund nochmals 100 Millionen Euro, die 16 Bundesländer schießen unverändert 33 Millionen Euro zu. Der Rest entfällt auf Eigeneinnahmen und Drittmittel.

Auf die Beibehaltung der Bund-Länder-Trägerschaft ist Lehmann besonders stolz: „Dafür habe ich gekämpft, dass alle Länder an Bord bleiben.“ Lehmann möchte eine Debatte darüber anstoßen, ob seine Institution deshalb in fernerer Zukunft nicht besser „Stiftung Nationaler Kulturbesitz“ heißen soll.

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