Kultur : Alles, was recht ist

KUNST

Ronald Berg

Frank Badur ist ein Purist: Zwei Farbfelder auf die Leinwand gebracht - fertig ist das Bild. „Less is more", könnte das Motto lauten. Tatsächlich nennt Badur seine Ausstellung „Hommage – Mies van der Rohe“ und die Affinitäten sind nicht zu übersehen: Badur huldigt dem rechten Winkel, jener Form, aus der Mies den L-förmigen Grundriß für die Villa Lemke (heute Ausstellungsort des Bezirks Lichtenberg) ableitete (Oberseestr. 60, bis 26. Januar 2003). Dabei ist keines der sieben Gemälde oder die 20-teiligen Gouachenserie extra für den Ort produziert worden. Die innere Beziehung der Konzentration und formalen Strenge, in der sich Badur und Mies treffen, bestand schon vorher. Badur, Professor an der Berliner Universität der Künste, sieht sich weniger in der Tradition der konkreten Kunst als in der Nachfolge der amerikanischen Farbfeldmalerei. Den Dogmatismus der Konkreten, die nichts dem Zufall überlassen wollten, stellt er das Arbeiten aus dem Bauch heraus entgegen. Das Verhältnis zweier Formen zueinander, vor allem aber die Wahl der Farben auf der Leinwand wird zwar in Zeichnungen vorbereitet, gerät aber beim Malen zum intuitiven Prozess. Mehrere kontrastierende Farbschichten geben den Bildern eine leuchtende Tiefe, die Spuren des Pinsels im Pigment sorgen für Bewegung. Eigentlich ist die Bezeichnung „Winkel“ als Thema für die aktuelle Bildauswahl nicht ganz korrekt: Badur thematisiert mit den zwei Farbformen, von denen die eine die andere im rechten Winkel umfängt, nichts Gegenständliches. Aber das macht die Bilder nur um so universaler lesbar, etwa als Urgrund des Architektonischen, besonders bei den Gouachen auf Papier, wo die mit Rastern durchzogenen Flächen wie moderne Gebäudefassaden aussehen. Womit wir wieder bei Mies angelangt wären.

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