Kultur : Alles, was rund ist

ARCHITEKTUR

Uta M. Reindl

Die als Raumfachwerk konzipierte Glaskuppel ist ein Markenzeichen der Architektur von R. Buckminster Fuller (1895-1983). Realisiert hatte der autodidakte Architekt sie 1967 mit dem US Pavillion für die Weltausstellung in Montreal. Es ist eine Weltkugel mit globaler Perspektive für „Your Private Sky“ - so der Titel der von Joachim Krausse und Claude Lichtenstein kuratierten Ausstellung, die seit 1999 durch Europa getourt ist und nun im Kölner Museum für Angewandte Kunst endet (bis 15. Dezember). Wie sehr R. Buckminster Fuller die Leichtigkeit der sich selbst organisierenden Formen als strukturelles Denkmodell faszinierte, macht die Ausstellung deutlich. Die Transformation von Vielecken in verschiedene Körper kann der Besucher selbst versuchen an der aus flexibel verbundenen Holzstäben bestehenden Konstruktion, die nach dem „Jitterbug“ benannt ist. In dem als Studiolo eingerichteten Grafikraum lassen sich unter den Original-Zeichnungen, Fotografien, Modellen ähnlich schräge Erfindungen entdecken, wie jenes sich um die eigene Achse drehende, aerodynamische Auto. Das Herzstück im Werk R. Buckminster Fullers –und in der Ausstellung – ist jedoch die Dymaxion World Map, jener auf der topologischen Datenübertragung von der Kugel auf die Fläche beruhenden Weltkarte. Die Welt auf einen Blick erfassen zu wollen, motivierte 1940 den einstigen Marineoffizier R. Buckminster Fuller, der stets interdisziplinär arbeitete. Dass die World Map politische Hierarchien hinterfragte, weil etwa nicht die Vereinigten Staaten, sondern der Nordpol das Zentrum bildet, ist neben der systemkritischen Statistik über die globale Resource- und Machtverteilung ein unmissverständliches Statement des Architekten, dem im eigenen Land bis heute keine Einzelschau möglich war.

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