Alles zur Berlinale 2014 : Das geht ab!

Auf der Pressekonferenz zur Berlinale wird ein echtes "Festival des durchgeknallten Films" versprochen: Statt den aserbaidschanischen Hirtenfilm gibt es die neuseeländische Vampir-WG-Doku. Ein Blick auf die Beiträge aus Forum, Panorama, Generationen, Retrospektive und Berlinale Special.

von , , , , und Helmut Merker
Immer wieder Coming-of-Age: Die Vampir-WG im Generation 14plus-Beitrag "What We Do in the Shadows"
Immer wieder Coming-of-Age: Die Vampir-WG im Generation 14plus-Beitrag "What We Do in the Shadows"Foto: Kane Skennar

Ein bisschen ging die unkonventionelle Idee denn doch nach hinten los. Weil die Journalisten in den vergangenen Jahren nach ausführlichen Darbietungen der zahlreichen Berlinale-Sektionschefs plus Zampano Dieter Kosslick meist ermattet gänzlich aufs berufstypische Fragestellen verzichteten, lud Moderator und Programm-Manager Thomas Hailer diesmal bei der Auftakt-Pressekonferenz keck gleich am Anfang zu Fragen ein. Und, siehe da: Gefragt wurde keck! Nach der fünften Wortmeldung aber, die Dieter Kosslick noch geduldig beantwortet hatte – Doris Dörries neuer Film sei schlicht deshalb nicht dabei, weil er gar nicht eingereicht worden sei –, wurde Hailer grundsätzlich: „Wir sprechen hier über Filme, die wir auswählen, nicht über die, die wir nicht nehmen. Das hat mit Kuratieren zu tun.“

Andererseits: Dass Journalisten manchmal nicht nur nach dem fragen, was Gastgeber unbedingt beantworten wollen, hat mit Pressekonferenzen zu tun – und insofern darf das Experiment, zumal anschließend bei der Programmpräsentation munter weitergefragt wurde, als gelungen betrachtet werden. Substanziell Neues gab es zwar nicht nach der Flut an Festival-Pressemitteilungen seit Dezember, wohl aber manch zumindest terminologisch Erhellendes.

Was "zu intelligent für das amerikanische Publikum" ist, passt prima auf die Berlinale

So fand etwa Linda Söffker, verantwortlich für die Perspektive Deutsches Kino, den der FDJ entlehnten internen Slogan ihrer Reihe – „MMM, Messe der Meister von morgen“ – aufs Schönste bestätigt. Schließlich seien Perspektive-Entdeckungen diesmal im Panorama und sogar, mit Dietrich Brüggemann, im Wettbewerb vertreten. Forums-Chef Christoph Terhechte verblüffte mit dem charmanten Bekenntnis, mal ein echtes „Festival des durchgeknallten Films“ kuratieren zu wollen, und diagnostizierte: „Da ist das Forum diesmal ziemlich nah dran.“

Die Wettbewerbsfilme der Berlinale 2014
'71Yann Demange, Regisseur aus London, drehte bisher vor allem Miniserien fürs Fernsehen. Vor sieben Jahren nahm er am Talent Campus teil, jetzt präsentiert er sein Langfilm-Debüt im Wettbewerb des Festivals. 1971 in Belfast: Dem Rekruten Gary wird bei einem Handgemenge die Waffe entrissen. Gemeinsam mit einem Kameraden jagt er den Dieb und erlebt auf dem Rückweg zur Kaserne eine albtraumhafte Nacht. Großbritannien, 98 Min., R: Yann Demange, D: Jack O’Connell, Paul Anderson, Sean HarrisWeitere Bilder anzeigen
1 von 24Foto: Twentieth Century Fox
28.01.2014 17:54'71Yann Demange, Regisseur aus London, drehte bisher vor allem Miniserien fürs Fernsehen. Vor sieben Jahren nahm er am Talent...

Belege dafür fand er etwa in einem Film mit Michel Houellebecq und in Harvey Weinsteins Befund, der vom Forum ausgewählte koreanische Science-Fiction-Film „Snowpiercer“ sei „zu intelligent für das amerikanische Publikum“. Hübsch auch Kosslicks Staunen über die gleichmütige Reaktion der knapp 500 Anwesenden auf seinen Hinweis, dass nicht nur der allgefragte George Clooney zu den in Berlin erwarteten Stars gehöre, sondern auch Bradley Cooper: „Okay, hier ist fast niemand unter 20 da, aber das geht ab!“

Was auch, zumindest regiestarmäßig, heftig abgeht, war die breaking last news der Pressekonferenz: Martin Scorsese kommt! Am 14. Februar präsentiert er seine – noch nicht ganz fertige – Doku über die „New York Review of Books“. Welcome, Wolf!

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