Kultur : Alltag in Abarnabal

KERSTIN DECKER

David und Batya gehen nach Tel Aviv.David wollte schon immer Zauberer werden.Batya ist unglücklich.Warum muß sie mit einen Mann leben, der bald vierzig ist und Zauberer werden will? David ist nämlich eigentlich Mechaniker und die dicke, ungelenke Batya wäre so gern die Frau eines Mechanikers mit vielen, vielen Kindern.Und jetzt? Ist sie Zauberassistentin.Filme wie dieser von den großen Träumen kleiner Leute könnten überall spielen, aber nur in wenigen Ländern gelingen sie.In Deutschland meist nicht.Denn solche Filme müssen fliegen.Obwohl sie erdenschwer sind.Und schweigen müssen sie können an den richtigen Stellen."Afula Express" der israelischen Regisseurin Julie Shlez kann das alles.Letztes Jahr beim Internationalen Jerusalemer Filmfestival hat er den Hauptpreis in fast allen Kategorien gewonnen, jetzt wird er beim Berliner Jüdischen Filmfestival gezeigt.Dessen Thema ist junges israelisches Kino - eines des Alltags und der kleinen Leute.

Zum Beispiel Beit-Shean.Hier geht es um den drohenden Abstieg eines Fußballclubs - "Underdog: A War Movie".Auch dieser preisgekrönte Dokumentarfilm über den Erstligisten einer Provinzstadt könnte überall auf der Welt spielen.Nur daß man dort den Eigensinn des Balls vielleicht nicht mit einem "Come on, Baby, come on!" kommentieren und das Resultat - "Gott war gegen uns!" - anders zusammenfassen würde.Natürlich ist Fußball fast so etwas wie Krieg, aber manchmal schießen Araber für Israel die alles entscheidenden Tore.



Unmöglich, alle Filme zu nennen, nur einen noch: "Last Transfer" - auch dies ein alltäglicher Film über ein alltägliches Krankenhaus.Alltag ist ja eine Schutzschicht, ein Überlebensmittel.Der Alltag in Abarbanal aber ist das Unerträgliche, seit fünfzig Jahren.Überlebende des Holocaust.Überleben, damit die Seele neu sterben kann, jeden Tag.

Bis 10.Juni und vom 14.bis 17.Juni.

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