Alltag ist Krieg : "Softgun" im Theater an der Parkaue

Im Theater an der Parkaue hat Sascha Bunge den Monolog des schwedischen Autors und Schauspielers Mats Kjelbye inszeniert. Einfühlsam und genau, im Vertrauen auf den dichten, poetischen Text.

Christoph Funke

Ein junger Mann, 22 Jahre alt und gerade aus dem Gefängnis entlassen, gibt Rechenschaft über verlorene Jahre. Er berichtet scheinbar ganz nüchtern – und doch überwältigen ihn Träume der Kindheit, sehnsuchtsvolle Erinnerungen an eine untergegangene Welt der Geborgenheit. Denn Ed ist Täter, brutaler Schläger, einer, der mit seinen Freunden auf Jagd geht, um Opfer zu finden, ein Spieler, der im Gewaltrausch Erregung und Befriedigung findet.

Der 1969 geborene schwedische Autor und Schauspieler Mats Kjelbye versucht in seinem Monolog „Softgun“ dieser richtungslosen Grausamkeit als Hervorbringung eines anderen Lebens jenseits aller Normen nachzugehen. Alltag als Beutezug durch die Familien und die Gesellschaft, Alltag als Krieg, der seine eigenen Gesetze hat. Kjelbye verurteilt nicht. Denn hinter aller entfesselten Gewalt der Jungen steckt ein seltsames, verrücktes Streben nach Leichtigkeit, nach etwas Eigenem, nicht Verwechselbarem, Schöpferischem. Ed sucht mit seinen Freunden Ventile für Einfälle, Talente, Fähigkeiten, die ihnen die Gesellschaft nicht abnimmt. Und Ed wird schließlich selbst zum Opfer, muss durchstehen, was er anderen angetan hat.

Im Theater an der Parkaue hat Sascha Bunge den Monolog inszeniert, einfühlsam und genau, im Vertrauen auf den dichten, poetischen Text. Constanze Fischbecks Bühne ist ein geometrischer Raum, eine Art offene Veranda mit gläsernen Wänden. Dieser besondere Raum ist Ed zugewiesen, der sich zugleich in Enge und vervielfachenden Spiegel-Effekten bewegt, auch herauskommt zu den Zuschauern, und doch in den schützenden Hort zurückkehrt. Johannes Hendrik Langer taucht in die Geschichte zunächst sehr spröde ein, zeigt die Figur nachdenklich und doch mit heftigen Ausbrüchen, im Ringen mit sich selbst. Effektvoll Unterhaltsames, das durchaus möglich wäre, wird gemieden.

Dieser Ed sucht die Zuschauer, will sich verständlich machen, ehrlich, unnachsichtig und behält dabei das Raue, Verzweifelte eines jungen Menschen mit verschütteter Zukunft. „Es gibt immer einen, der stärker ist als du“: Aus dieser bewusst ambivalenten Einsicht lebt der Text, nach einer Kraft suchend, die aggressive Brutalität überwinden und ersetzen kann.

Wieder vom 11. bis 15. Januar

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