Kultur : ALLTAG

Michael Zajonz

Der Alltag zog mit Duchamps Ready-mades in die Kunst ein. Ab 1913 erklärte der Maler Gebrauchsgegenstände wie ein Fahrrad-Rad zu Kunstwerken. Der künstlerische Zugriff auf das Banale kann auch auf der Biennale Spaß machen, wie Florian Slotawas neue Installation „Ersatzturm“ in den Kunst-Werken zeigt. 2002 erwarb das Düsseldorfer Sammlerpaar Barbara und Axel Haubrok eine Arbeit, die Slotawa aus seinem kompletten Hausrat gebastelt hatte. Im Sinne eines Tauschs besteht „Ersatzturm“ nun aus Möbeln der Haubroks, die der Künstler über sieben Meter hoch auftürmt. Höher Wohnen – und ein schönes Gegenstück zu Ricarda Roggans Foto-Bastelbildern trister Büroräume am gleichen Ort. Der in Berlin lebende Österreicher Oliver Croy entdeckte 1993 bei einem Trödler 387 Miniaturmodelle von Häusern, Kirchen, Bahnhöfen, die ein Wiener Angestellter in seiner Freizeit gebaut hatte. Seither „erforschen“ Croy und der Kunstkritiker Oliver Elser diese Sondermodelle. Eine ausgestellte Obsession.

Räume und Alltag: Die Biennale macht auch einige Privatwohnungen zum Präsentationsort, inszeniert sind auch sie. Wer die Schönheit des Beiläufigen spüren möchte, sollte Tacita Deans einstündigen Film „Presentation Sisters“ sehen. Er zeichnet den Alltag fünf älterer englischer Damen in ihrem Haus nach. Die Zeit vergeht. Nur die Sonne verfängt sich im Staub.

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