Kultur : Alpenmann

Albert Funk

Die Menschen sind bekanntlich gar nicht so, und die Bayern erst recht nicht. Das lehrt schon die Lektüre von Oskar Maria Graf. Der hat gern das Anarchische im Wesen der Bayern herausgestrichen, und wenn man Edmund Stoiber in den vergangenen Monaten beobachtet hat, dann weiß man, wie weit die bajuwarische Bereitschaft zum Unterlaufen von Ordnung gehen kann. Freilich hat Graf weniger die konservativen Anarchen beschrieben, sondern die auf der Linken. Um solche Menschen geht es in Egon Günthers „Bayerische Enziane“, um Menschen in Bayern, die im weitesten Sinne die rote Fahnen hochgehalten haben. Ein Heimatbuch, wie der Autor es nennt, und zwar ein linkes. Über Linke in Bayern aus der Zeit vor Ludwig Stiegler. Da geht es um illegale Bergtouren, Damen in der Revolution, Frauen in der Räterepublik, das rote Penzberg, grantlige Zugereiste, die Operation Spitzhacke und den irischen Nationalhelden Roger Casement.

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Kein stringentes Geschichtsbuch, sondern ein literarisch-historischer Spaziergang. Das ist gelegentlich amüsant und oft lehrreich. Aber bisweilen auch etwas eingeweiht. Ein Heimatbuch eben. Etwas für Einheimische, Linke wie Bayern.

Egon Günther: Bayerische Enziane. Heimatbuch. Edition Nautilus, Hamburg. 249 Seiten, 19,90 €.

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