Kultur : Als die Bilder fliegen lernten

Gefragte Raritäten aus dem 19. Jahrhundert

Ronald Berg

Nicht nur die Sammelobjekte selbst, sondern auch ihre Sammler sind selten. „Die wenigen, die es auf Fotomarkt für das 19. Jahrhundert gibt,“ so Johanna Wolf-Breede von der Berliner Villa Grisebach, „gehören zur älteren Generation.“ Darüber hinaus sei Gutes kaum zu bekommen. Im ansonsten äußerst vielfältigen Katalog zur kommenden Fotoauktion von Grisebach fehlt denn auch dieses Spezialgebiet. Schon wegen der immensen Kriegsverluste ist Deutschland alles andere als ein Mekka für frühe Fotografie.

Das Berliner Auktionshaus Bassenge hat sich dennoch darauf spezialisiert. Mit guten Erfolgen, sagt Jennifer Augustyniak, Foto-Spezialistin bei Bassenge. Bei ihrer nächsten Auktion ist die alte Fotografie mit Daguerreotypie-Porträts, Reisebildern aus Ägypten oder Japan, Militärmanövern und Stadtpanoramen von Rom und Konstantinopel vertreten. Zu den interessantesten Stücken zählen ein Bild von Otto Lilienthal im Fluge von 1893 (Schätzpreis 5000 Euro) und eine fast sachliche, um 1868 entstandene Ansicht von San Francisco, die auf 2500 Euro geschätzt wird.

Im Gegensatz zu den exorbitanten Preissteigerungen in der zeitgenössischen Fotokunst gab es für Fotografien des 19. Jahrhunderts nur bei wenigen großen Namen Rekorde. Dann aber gewaltige: Gustave Le Grays Landschaftsfotografie „Grande Vague – Sete“ verkaufte sich 1999 bei Sotheby’s in London für 507500 Pfund – der höchste Preis, der je für ein Foto gezahlt wurde. Mitte Mai bewilligte bei Christie’s in London ein Liebhaber für ein Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenes Album von Anna Atkins 230000 Pfund.

Doch obwohl solche Preise Ausnahmen sind, zeigen sich die beiden wichtigsten Händler für alte Fotografie in Deutschland äußerst optimistisch: „Das 19. Jahrhundert hat noch viel Spielraum“, glaubt der Berliner Rudolf Kicken. Wer Fotos der klassischen Moderne für sich entdeckt hat, werde sich irgendwann auch für die Vorläufer interessieren. Der Handel für das bislang weitgehend unbeachtete Material fange gerade erst an. Der Münchner Galerist Daniel Blau ergänzt: „Selbst Hauptwerke des 19. Jahrhunderts sind noch zu bekommen. Schon bald wird der Markt explodieren.“

Fotoauktionen:

Villa Grisebach, Fasanenstraße 25, am 10. Juni, Vorbesichtigung 5. bis 9. Juni,

Bassenge, Erdenerstraße 5a, am 11. Juni, Vorbesichtigung 7. bis 10. Juni.

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