Kultur : Als die SED Geld brauchte

Das Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz für 2003

Bernhard Schulz

Gerade erst hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ihr Erfolgsjahr 2004 bilanziert (Tagesspiegel vom 26. Januar). Der Rückblick in Buchform jedoch, turnusmäßig zur Jahreswende erschienen, befasst sich mit den davor liegenden Ereignissen. Das neue Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz (Band XL, Gebr. Mann Verlag, Berlin 2004, 452 S. m. 122 Abb., 25 €) beleuchtet das weniger spektakuläre Jahr 2003, als es keine Museumseröffnungen zu feiern gab. Stattdessen erläutert David Chipperfield sein Sanierungskonzept für das Neue Museum, während Arne Effenberger und Gisela Holan die Sanierung des Bode-Museums darstellen. Beim Pergamon-Museum stehen die umfangreichen Restaurierungen der Architekturmonumente im Mittelpunkt. Die Betrachtungen zur viel diskutierten Ausstellung der Nationalgalerie, „Kunst in der DDR“, wünschte man sich pointierter – gerade hier, wo der Abstand des Jahrbuchs zu den Ereignissen von Vorteil wäre, genügt die bloße Dokumentation von Eröffnungsreden nicht. Herausragend ist der Forschungsbeitrag des früheren Stellvertretenden Generaldirektors Günter Schade: In „Protokoll eines gescheiterten Millionen- Deals“ untersucht er minutiös den von der SED angeordneten, in letzter Minute jedoch abgeblasenen Zwangsverkauf von Kunstwerken aus dem Bestand der Ost-Berliner Museen im Jahr 1973. Auch dreißig Jahre später kann man darüber nur erschrecken.

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