Kultur : Als Rosa das polnische Kaninchen stahl

LESUNG

Bodo Mrozek

In „Barbarella“ von 1967, spielt Jane Fonda eine Weltraumagentin, die gegen die Orgasmusmaschine eines wahnsinnigen Wissenschaftlers kämpft. Der Name Barbarella schmückt heute eine Agentur, die abgelehnte Drehbücher dem Vergessen entreißen möchte. Anlässlich der 75. Folge der von Barbarella-Entertainment organisierten Reihe „Neues aus dem Giftschrank“ wurde im voll besetzten Berliner Tränenpalast ein besonderes Skript präsentiert, war doch die Hauptrolle von Rosa Luxemburg – Der Flug der Lerche keiner anderen als Jane Fonda auf den Leib geschrieben. Einst, es war 1982, sollte Rainer Werner Fassbinder es verfilmen, doch in der Nacht vor der Besprechung mit den Autoren Peter Märtesheimer und Pea Fröhlich starb der Filmemacher – und mit ihm das Projekt. 1985 verfilmte dann Margarethe von Trotta das Leben der Rosa L.

Nun also Natalie Wörner. Sie liest Rosa Luxemburg, umrahmt von Kollegen wie Anna Thalbach und Pierre Besson. Ein holzschnittartiges, anrührendes Historiengemälde aus den politischen Wirren des frühen 20. Jahrhunderts: Rosa unter dem Weihnachtsbaum des väterlichen August Bebel (Hanns Zischler), im Gewehrfeuer des polnischen Untergrundes, mit einem polnischen Kaninchen auf dem Arm oder im Streitgespräch mit Kautsky (Udo Schenk). Dazu ein Hauch der frühen Achtziger, der Frauenbewegung, des spätsozialistischen Elans: Märtesheimer räumt ein, dass er einen Film wie diesen heute nicht mehr schreiben könne. Und er verabschiedet den Mythos, Fassbinder sei quasi mit dem Drehbuch auf der Brust entschlafen. Tatsächlich entstand das Skript erst nach dessen Tod; Fassbinder kannte nur eine Projektskizze.

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