Alte Meister : Keine Lust auf Snow Patrol

Wird immer besser und immer souveräner mit einem genauso altertümlichen wie stets frischen Irgendwas-Rock: Mark E. Smith hat mit seiner Band das 29. The-Fall-Album veröffentlicht, „Ersatz GB“.

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Man ist doch immer wieder überrascht, wenn ein neues The-Fall-Album auf den Markt kommt. Huch, fragt man sich, gerade als Fall-Fan der Frühzeit in den späten siebziger, frühen achtziger Jahren, existiert die Band aus Manchester immer noch? Hat Mark E. Smith, das ewige The-Fall-Mastermind, immer noch nicht genug? Und im günstigsten Fall lautet die Frage: Gab es nicht neulich erst eins, ein grandioses dazu? Die Antwort auf diese Fragen lautet: Ja, ja, und noch einmal ja.

Was soll einer wie Mark E. Smith auch machen? Viel anderes hat er ja nicht gelernt – und trotz seines einzigartigen Rufes als berühmtester musizierender Stinkstiefel der britischen Inseln, als tapferer Rockmusiker mit Punk-, Arbeiter- und Bohème-Bonus, trotz Gastauftritten etwa bei den Gorillaz oder einer großen Geschichte im amerikanischen „New Yorker“, muss Smith mit jedem Album aufs Neue sehen, wo er bleibt, ist The-Fall-Musik kein Selbstläufer auf dem schrumpfenden Popmarkt. Die Labels der Band sind Legion, und „Ersatz GB“, wie das angeblich 29. The-Fall-Album heißt, ist dann wieder einmal bei einem anderen Label erschienen als der Vorgänger.

Trotzdem hat es lange keine wirklich miesen, kaputten Fall-Alben gegeben. Im Gegenteil: The Fall, seit 2006 in gleichbleibender Besetzung an Bass, Gitarre, Schlagzeug und Keyboards (Mark E. Smith zeigte sich davor als großer Heuerer und Feuerer von Mitmusikern), werden immer besser. Gut gereifter, niemand mehr etwas beweisen müssender, essentieller Irgendwas-Rock ist das, und der klingt genauso altertümlich scheppernd wie frisch, ist aber nie retro und schwebt weise über jeder ach so perfekt nachgebauten zeitgenössischen Rockmusik.

Es beginnt mit einem schön geklöppelten Beat in „Cosmos 7“, ein Beat, zu dem man sofort mitmuss, geht weiter mit ein paar verzweifelt verwehten Gitarrenakkorden in „Taking Off“, und bevor es zu ein paar merkwürdigen Metal-Verweisen kommt, folgen mit dem bohrenden „Nate Will Not Return“ und dem herzallerliebsten, von Smiths dritter Ehefrau intonierten, mit wackeligen Keyboardläufen versehenen Sixties-Stück „Happi Song“ die Höhepunkte. Smith nölt und knödelt dazu wie eh und je. Mal klingt er hell wie zu „Hit-The-North“- oder „L.A.“-Zeiten, mal brummelt er ganz dunkel „I’m so sick of Snow Patrol/And where to find Esso lubricant” oder „It´s growing up for you, it’s growing up for me“. Was er genau meint, ist selten verständlich. Klar aber ist: Im Fall-Kosmos gehört „Ersatz GB“ ins oberste Drittel. Gerrit Bartels

„Ersatz GB“ von The Fall ist bei Cherry Red/Rough Trade erschienen

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