Kultur : Alte Meister schlagen junge Hüpfer

MARKUS KRAUSE

Von allergrößter Seltenheit: Auf diesen Zusatz stößt der Leser der Kataloge der Frühjahrsauktion von Bassenge immer wieder - vor allem bei der Alten Kunst.Sie ist diesmal wesentlich besser bestückt als die Kunst des 20.Jahrhunderts, wo man die wirklich guten Stücke suchen muß.Von allergrößter Seltenheit - dies trifft zum Beispiel auf die beiden Radierungen "La Fontaine de Neptune" und "La Tour ronde" von Claude Lorrain zu, die der Künstler 1637 im Rahmen einer Dokumentation der Feierlichkeiten zur Krönung Ferdinand III.in Rom gestaltete.Weitere Exemplare befinden sich lediglich in der Bibliothèque National in Paris, in Oxford und im Londoner British Museum 18 000 Mark und 20 000 Mark).

Auch von Dürer ist ein Rarissimum im Angebot: Ein ähnlich früher Abzug des Holzschnitts der "Heiligen Dreifaltigkeit" von 1511 konnte vom Hause Bassenge in den letzten dreißig Jahren nicht nachgewiesen werden (Taxe 14 000 Mark).Übertroffen wird dies vom phantastisch anmutenden Kupferstich "Beim Blasebalgmacher" nach einer Vorlage Hieronymus Boschs, zu dem überhaupt kein Vergleichsbeispiel gefunden wurde (20 000 Mark).Die Preisspitze nimmt jedoch Rembrandt ein mit der suggestiven Radierung des lehrenden Christus, für die 140 000 Mark erwartet werden.

Auch im 20.Jahrhundert sind es wie immer vor allem die Arbeiten auf Papier, die besondere Aufmerksamkeit erregen.Von George Grosz etwa kommen eine Reihe schöner, früher Tuschzeichnungen zum Aufruf, die bis 30 000 Mark kosten sollen.Das vergleichsweise zahme Aquarell "Männer vor einer Stadtlandschaft" von Grosz, entstanden um 1920, ist auf 40 000 Mark geschätzt.Sehr selten zu haben ist das mit 32 Radierungen komplette druckgrafische Werk von Wols - skurrile, feinnervige Abstraktionen, die erst posthum von der Witwe in kleiner Auflage gedruckt wurden (zusammen 30 000 Mark).Zu den bedeutenden Ausnahmen auf Leinwand zählen die beiden identisch großen Ansichten des Grunewald- und des Schlachtensees von Walter Leistikow, die geradezu als spiegelbildliche Gegenstücke konzipiert worden sein könnten (Taxe je 90 000 Mark).Schließlich brilliert Werner Heldt mit einem der für ihn so typischen melancholischen Stilleben vor Berliner Häuserkulisse (1950), das den Verehrern seiner Kunst die angesetzten 90 000 Mark wert sein sollte.

Bassenge, Erdener Straße 5A, Auktion am 4./5.Juni, Vorbesichtigung 27.-29.Mai 10-18 Uhr, am 30.Mai 14-18 Uhr und vom 31.Mai bis 2.Juni 10-18 Uhr; zwei Kataloge zusammen 60 Mark.

0 Kommentare

Neuester Kommentar