Kultur : Alte Semmeln in Scheibchen

EBERHARD LANGE

Zur Fastenkur am Starnberger SeeVON EBERHARD LANGE

"Erst mal richtig Essen lernen!", lautet die Devise beim Fasten.Beim Mayr-Fasten.Der österreichische Arzt Dr.Franz Xaver Mayr (1875-1965) und seine Nachfolger empfehlen die Kau-Schulung.Förderung der Darmreinigung, Erhöhung des "Entgiftungsprozesses", heißt es.Mayr war überzeugt, daß es "die Gifte im Darm sind, die den Menschen krank, vorzeitig alt und häßlich" machen.Das wollen wir schließlich nicht.

So ist eine bayerische Semmel, drei Tage alt und in kleine Scheibchen geschnitten, morgens, mittags und abends vierzehn Tage lang das Objekt meiner Begierde.Bei Routineterminen ermuntert mich Dr.Elisabeth Nagel, die Fasten-Ärztin in Ambach: "Immer nur Portiönchen und mindestens zwanzigmal kauen."

Erst glaube ich, auf einen Radiergummi zu beißen.Schließlich müssen aber alle Semmeln Häppchen für Häppchen dran glauben.In Gedanken zähle ich im Kaurhythmus mit.Meist komme ich bis dreißig, nippe kurz an der frischen, warmen Milch und kaue noch etliche Male, ehe ich schlucke.Nach jeweils gut einer halben Stunde landet so jede alte Semmel als Milchbrei im Magen.

Hungergefühle? Keine Spur! Zwischen den "Mahlzeiten" trinke ich Tees und Mineralwasser bis zum Abwinken, gehe schwimmen oder in die Sauna, wandere, jogge und bestehe sogar den Härtetest: in gut fünf Stunden um den Starnberger See radeln.

Während der ersten Fastentage reagiert der Körper mit raschem Gewichtsverlust.In drei Tagen geht fast ein Kilo verloren."Mehr ist anfangs sowieso nicht drin", enttäuscht Dr.Nagel alle, die nur fasten wollen, um abzunehmen.Der Körper stellt sich nämlich im Nu um und lernt blitzschnell, ganz wenig Nahrung effektiv zu verwerten.Entscheidend ist für denjenigen, der dauerhaft abnehmen will, wie nach den Fastentagen gegessen wird.Dr.Nagel: "Deshalb bringen unsere Diät- und Vitalkuren, die immer langfristig angelegt werden und zu Hause konsequent fortgesetzt werden müssen, viel mehr.Wer nach einer Diät wieder ißt wie vorher, erliegt unweigerlich dem Jo-Jo-Effekt." Die verlorengegangenen Pfunde kehren ganz schnell wieder zurück.

Ernährungswissenschaftler beweisen: Wer ein Kilo pro Woche abnimmt, baut gar kein Fett mehr ab, sondern Wasser, Zucker und Eiweiß.Die Natur sorgt zudem dafür, daß der Körper die Fettpölsterchen in ganz bestimmter Reihenfolge anknabbert: Bauch und Busen specken zuerst ab, erst dann kommen die weniger beliebten Reserven an Hüften und Oberschenkel dran.

"Körperfett hat eine hohe Energiedichte", doziert Elsbeth Nagel: "In einem Kilo, das sich zum Beispiel um die Hüfte gelegt hat, schlummern rund 9000 Kilokalorien.Beim Fasten zehrt der Körper eine Woche daran, ehe das verbrannt ist."

Der deutsche Arzt Otto Buchinger (1868-1966) entwickelte das Heilfasten von der Erfahrungsheilkunde zu einer modernen Therapie.Nicht nur Darmstörungen, Allergien, rheumatische sowie Erkältungs- und Infektionskrankheiten werden durch Heilfasten bei Wiedemann am Bodensee und am Starnberger See behandelt, sondern auch leichte hormonelle Störungen der Frau, Toxikosen, Bluthochdruck und Wirbelsäulenbeschwerden.

Semmeln, Milch und Wasser - in 14 Tagen nehme ich zwei Kilo ab und habe dabei nie Hunger.Doch wer öfter fastet, empfindet das als normal.

Auskunft: Wiedemann Gesundheits-Zentrum (alle Kassen), Simetsbergweg 11, 82541 Ambach am Starnberger See; Telefon: 081 77 / 820, Fax: 081 77 / 823 51.

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