Kultur : Alte Violine, neuer Meister

KLASSIK

Sybill Mahlke

Ein erfahrener Maestro und ein 18-jähriger Solist treffen aufeinander, um das Violinkonzert D-Dur von Ludwig van Beethoven zu zelebrieren. Der Ältere ist 1984 aus dem Musikleben der DDR nach Amerika aufgebrochen, verwirklichte sich dort in führenden Positionen und leitet jetzt das Rundfunk-Symphonieorchester in Saarbrücken. Seine Gastspiele beim Berliner Sinfonie-Or chester bedeuten ein Stück Heimkehr. Denn Günther Herbig war 1977–83 dessen Chefdirigent. In der Tat strahlt die Interpretation Feierlichkeit aus. Mit seinem erworbenen Klassikverständnis bereitet Herbig dem Jungen die Basis, seine Soli leuchten zu lassen.

Der Armenier Sergey Khachatryan , der aus einer Musikerfamilie stammt, gibt mit dem Konzert sein Berlin-Debüt: eine glänzende Begabung, interpretatorischer Ernst, weit entfernt von jedem Wunderkind-Flair. Auf seiner Guadagnini-Violine aus dem 18. Jahrhundert entfaltet er zumal in der hohen Lage, die von der Komposition bevorzugt wird, wahre Zaubertöne. Und es ist eine Freude zu erleben, wie Herbig dem zarten Ungestüm des Solisten zuhört, wie Khachatryan die Themen sanft umspielt. Die verführerische Eleganz und Glätte, die dem Stück zur Gefahr werden können, sind dem empfindsamen Virtuosen fremd. Im Konzert haus zeigt sich unprätentiös ein Meister.

Die Sinfonie Nr. 3 („Liturgique“) von Arthur Honegger ist ein Bekenntniswerk, das 1945 mit trommelgrundiertem Aufschrei und subjektiv-romantischer Lyrik gegen den Krieg predigte. Herbig versteht sich darauf, in seiner Gestaltung dem engagiert musizierenden Orchester das Lebensgefühl jener Generation zu vermitteln, obwohl die künstlerische Substanz der Partitur verblasst. Zurück bleibt ein Werk guten Willens und satztechnischer Könnerschaft.

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