Kultur : Altersweise

Eckart Schwinger

Keine Angst vor Jubilaren. An diesem Abend erwiesen sie sich als anregende und gesellige Geister: der weltgewandte Berliner Hofkapellmeister, Komponist und Musikschriftsteller Johann Friedrich Reichardt, an dessen 250. Geburtstag erinnert wurde, sowie der Berliner Komponist und Musikkritiker Manfred Schubert, der bald seinen 65. feiert. Schon die von Hartmut Haenchen und dem Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach mit rhetorischer Akzentuierung präsentierte Reichardt-Sinfonie versetzte das Publikum in gute Laune. Haenchen brachte die Sinfonie gehörig auf Touren und mischte den damals neuen dynamischen Stil auf, ohne Reichardts klangpoetische Intentionen zu unterschlagen.

Ebenso wie Reichardt hielt einst auch Carl Friedrich Zelter die Fäden des Berliner Musiklebens in der Hand. Anlässlich seines 170. Todestages gelangten die "Nachtgesänge" von Manfred Schubert zur Wiederaufführung - Schuberts eigenschöpferischer Reflexion von Zelters Goethe-Liedern. Eine spannungsvolle Korrespondenz von Singstimme und Kammerensemble, eine neue, dezente und doch farbintensive Ausdrucksverdichtung von "Wanderers Nachtlied" oder "An den Mond" mit rasch wechselnden, mal subtilen, mal unheimlich raunenden oder gar kauzigen Klangbildern. Siegfried Lorenz, der 1987 bereits die Uraufführung bestritten hatte, sang den Zyklus mit flexiblem Bariton, saftig und humorig.

Nicht weniger kantabel die beiden Instrumentalvirtuosen des Abends: Hans-Jakob Eschenburg bei den komplizierten Finessen von C. P. E. Bachs a-Moll-Cellokonzert und Ingo Reuter beim brillant pointierten Fagottkonzert in D-Dur von Johann Gottlieb Graun.

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