Altes Museum Berlin : Antike Schätze

Im Alten Museum Berlin eröffnet am heutigen Freitag eine weitere ständige Ausstellung: „Italia Antiqua“. Römische und etruskische Schätze werden dort neu präsentiert.

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Von außen sieht man es an den Bauzäunen, Gerüsten und Baggern, dass sich etwas tut auf der Museumsinsel. Aber auch das Innere der Häuser ist in Bewegung. Im Obergeschoss des Alten Museums eröffnet heute eine neue ständige Ausstellung: „Italia Antiqua“. 700 Exponate auf 1500 Quadratmeter wurden hier neu arrangiert, aus dem Pergamonmuseum übergesiedelt, vieles aus den Depots geholt, neu erforscht und restauriert.

Berlin besitzt eine der größten Sammlungen etruskischer Kunst jenseits Italiens, neben dem Louvre in Paris und der Eremitage in Sankt Petersburg. Außerdem wirkte hier in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Archäologe Eduard Gerhard, er machte sich für die Etruskologie stark. Die Geschichte der Sammlung ist über 300 Jahre alt: Sie reicht vom etruskischen Dachziegel mit dem Antlitz der Göttin Juno Sospita, der bereits 1698 in die kurfürstliche Sammlung gelangte, bis zum römischen Feldherrensarkophag Rinuccini. Er wurde 1987 erworben und war bisher im Pergamonmuseum ausgestellt. Heute werden Exponate kaum noch angekauft, stattdessen leihen sich Museen gegenseitig ihre Bestände aus.

Zu Kriegsbeginn 1939 wurde die Sammlung etruskischer Altertümer aus dem Alten Museum evakuiert. Nach der Trennung in Ost und West kommt sie nun erstmals wieder vollständig zusammen. Die Vereinigung findet aber auch zwischen dem immer noch geheimnisumwitterten Volk der Etrusker und den Römern statt – immerhin werden sie hier zusammen präsentiert. Deutlich soll werden, dass die Etrusker oder Rasenna, wie sie sich selbst nannten, die bedeutendste vorrömische Zivilisation Italiens ist. Und so vollzieht sich der Übergang fast nahtlos von einer Kultur zur nächsten. Der etruskische Teil endet mit Sarkophagen – der römische Teil beginnt damit. Ähnlich schleichend wurden die Etrusker von den Römern assimiliert. So war man einerseits im Clinch mit den ehemaligen Oligarchen, andererseits pflegte man in Rom die religiösen Rituale weiter. Die Kaiser bestellten sich gerne etruskische Priester, die mit Hilfe der Eingeweideschau oder mit Blitz und Donner orakelten.

Bodenschätze, Piraterie und Seehandel hatte das Volk der Etrusker reich gemacht, es fertigte hauchdünnen Goldschmuck, war führend in der Bronzeverarbeitung, schmückte seine Dächer mit bunten, sorgsam gestalteten Masken. Sie bewegten sich zwischen Dämonenkult und der Verehrung griechischer Gottheiten. Ein Stilmix aus Griechenland oder Vorderasien. Dass sie immer noch als geheimnisumwittertes Volk wahrgenommen werden, mag daran liegen, dass ihre Sprache bis heute nicht entschlüsselt ist. Ihre Wurzeln sind unbekannt, zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehört sie jedenfalls nicht. Die Schrift ist lesbar, sie besteht aus griechische Buchstaben, von rechts nach links geschrieben. Vier längere Texte hat man bisher gefunden, einer davon ist im Alten Museum zu sehen: Die Tontafel von Capua gibt einige Götternamen und Monatsangaben preis, so dass die Wissenschaftler davon ausgehen, dass es sich hierbei möglicherweise um einen Ritualkalender handelt.

Vor allem im römischen, größeren Teil der Ausstellung präsentiert sich die Antiken-Sammlung nicht chronologisch oder nach Fundort geordnet, sondern thematisch – und idealtypisch. In einem großen Schaukasten sind all jene Details vereint, die in einer römischen Villa zu finden ist: kleine Gartenskulpturen, Mosaikböden, Wasserbecken. Ein Kabinett trägt den Titel „Garten der Lüste“ eine hübsche Anspielung auf den Standort Lustgarten: Vor pompejiroten und gelben Wänden wird ein Bogen geschlagen von den Griechen über die Etrusker zu den Römern – alles zum Thema Liebe und Sexualität. Neben der berühmten griechischen Weinkanne einer Hetäre und eines Mannes beim Liebesakt hängen dort kleine Phallus-Anhänger, die auch Kinder um den Hals trugen. Sie sollten Übel fernhalten und sind kaum sexuell zu verstehen.

Die Ausstellungsmacher haben sich dafür entschieden, die Exponate für sich sprechen zu lassen. Keinerlei neue Medien werden eingesetzt, knappe Beschriftungen ordnen die Stücke kunst- und kulturhistorisch ein. Die Skulpturen stehen großzügig im Raum verteilt, Geschichte zum Anfassen nah – wie etwa der fast lebensgroße etruskische Jüngling aus Kalkstein. Er ist Teilnehmer eines Totenmahls, das im Liegen stattfand. Auf einem Sofa gebettet, hielt er eine heute nicht mehr erhaltene Schale, in seinem Inneren wurde die Asche des Toten aufbewahrt. Heute dient er als Model: Er ist auf Plakaten in der ganzen Stadt zu sehen.

Altes Museum, Am Lustgarten, Mo-So 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr

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