Kultur : Am Ball bleiben: Jahresbilanz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Christina Tilmann

Eine der spannendsten Ausstellungen, die die Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Jahr 2007 plant, wird nicht in Deutschland zu sehen sein: Die große Merowinger-Schau wird die in Russland lagernden Bestände der Staatlichen Museen auch nur dort präsentieren. Am kommenden Montag soll in Moskau der Vertrag unterzeichnet werden. Die Werke in Deutschland zu zeigen, verbietet der Stand der Beutekunstverhandlungen: „Wir könnten kein freies Geleit zusichern“, so Stiftungspräsident Klaus-Dieter Lehmann. Immerhin wird es einen Katalog in deutscher, englischer und russischer Sprache geben, und im Vorwort werden die unterschiedlichen Rechtsauffassungen dokumentiert werden.

Die Diskussionen um die Beutekunst waren eins der Themen, die die Stiftung im letzten Jahr erneut stärker beschäftigten, nachdem in Moskau eine Ausstellung der archäologischen Beutebestände gezeigt worden war. Die habe, so Lehmann bei der Jahrespressekonferenz, die „sehr enttäuschende Haltung des Puschkin-Museums“ deutlich gemacht. Immerhin, ein Gutes hat der Streit: Zwischen russischen und deutschen Museumsleuten ist ein stärkerer Dialog in Gang gekommen um die Frage, wie die immer noch in den Depots lagernden Bestände identifiziert, lokalisiert und inventarisiert werden können.

Ein weiteres großes Thema ist und bleibt der Schlossplatz, wo Lehmann angesichts des letzten Bundestagsbeschlusses neue Chancen für das Humboldt-Forum sieht. Eine „Humboldt-Box“ soll für die Zeit der Zwischennutzung auf die Planungen hinweisen, Ausstellungen wie „Der Ball ist rund“, „Kartographie der Tropen“ oder „Die Seidenstraße“ die Bedeutung außereuropäischer Kulturen klar machen. Weitere Großprojekte sind die Rembrandt-Ausstellungen zum 400. Jubiläum, eine Ausstellung zum 80. Geburtstag von Oswald Mathias Ungers, die aus Paris übernommene „Melancholie“-Ausstellung sowie „Berlin/Tokio“.

Auf der Museumsinsel steht mit der Eröffnung des Bodemuseums am 18. Oktober das nächste Großereignis an: allein 25 000 Besucher sahen 2004 an zwei Tagen das leere Haus. 2008 soll das Neue Museum folgen, an dem derzeit heftig gebaut wird. Und beim Pergamon-Museum wird im April endlich über die Planungsvarianten entschieden, so dass auch dort die Bauplanung fortschreiten kann. Was das neue Eingangsgebäude und Drittmittelfinanzierungen betrifft, sieht Lehmann bei der neuen Bundesregierung deutlich bessere Chancen. Die Insel, die 2005 mit Pergamon, Goya und Nofretete erneut Besucher in Millionenhöhe anzog – im gesamten Jahr zählten die Staatlichen Museen über vier Millionen –, wäre sonst spätestens 2009 hoffnungslos überfüllt: wenn Bodemuseum und Neues Museum eröffnet sind.

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