Kultur : Am falschen Ort

VOLKER STRAEBEL

Manche Konzerte werden zum Ereignis trotz widriger Umstände.Der Hamburger Bahnhof ist als "Museum für Gegenwart" dafür prädestiniert, auch Performance- und Musikveranstaltungen zu beherbergen.Allein der eigens hierfür eingerichtete Aktionsraum ist bis heute nicht fertiggestellt.Ulrich Kriegers Aufführung von John Cages Gesamtwerk für Saxophon litt entsprechend an den akustischen wie architektonischen Gegebenheiten der Haupthalle.Von dem ohne dämpfenden Teppich unerträglich lauten, auf dem Eingangspodest plazierten Publikum weit entfernt, spielten die Musiker Kammerwerke aus Cages letztem Lebensjahrzehnt, deren differenzierte klangliche wie agogische Gestaltung leider oft im Hall des weiten Raumes unterging.

Dies gilt besonders für die zweite Konzerthälfte, in der Mario Bertoncinis Klavierpart von "Two" akustisch verwässerte.Ebenso verschwamm die freie Polyphonie von "Hymnus", dargeboten in einer Fassung für je zwei Saxophone, Klaviere, Perkussionisten und ein Akkordeon, zu einer amorph belebten Klangfläche.Den ruhigeren Werken des Beginns war die besondere Akustik hingegen dienlich.Das zwölfminütige Saxophonquartett "Four5

" (Ulrich Krieger, Tobias Rüger, Reimar Volker und Kathrin Wagner) gelang in beglückender Balance.In den wellenförmigen Tonschichtungen verschmolzen die vier Interpreten in einem homogenen Gesamtklang.Ebenso vermochte die Besetzung des nur in seinen Tonumfängen der Stimmen festgelegten "Five" mit zwei Saxophonen, zwei mit Bogenhaaren gestrichenen Klavieren und Akkordeon (Gerhard Scherer) zu überzeugen.Die leichten Schwebungen können dem Obertonreichtum der Klänge geschuldet sein und müssen nicht von Intonationsproblemen herrühren."Ryoanji" schließlich bekommt die Bearbeitung der Oboenstimme für Sopranino- und Sopransaxophon nicht besonders gut, zumal Krieger dem Raum gemäß ein ruhigeres Tempo hätte anschlagen sollen.Ein wichtiges Konzert, das leicht hätte ein großartiges werden können - zum Beispiel im Kammermusiksaal.

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