Kultur : Am Kiosk kaufen

Ulrich Clewing

begibt sich auf vorweihnachtliche Einkaufstour „Kunst ist“, sagte einmal der Fluxus-Künstler Robert Filliou, „was das Leben interessanter macht als Kunst.“ Das klingt zwar wie ein klassischer Widerspruch in sich, beschreibt aber ganz gut, worum es in der kleinen wundervollen Edition Stella A. geht. Denn Kunst kann sehr wohl manchmal ins Leben eingreifen, sie kann einem in ihrer unwiderstehlichen Art ein Lächeln ins Gesicht zaubern und muss dabei nicht die Welt kosten. Die Edition Stella A. ist eine dieser versteckten Sammelstellen für charmante Querköpfe aller Schattierungen, angefangen bei Marcel Duchamp bis hin zu den jüngeren Leuten, die oft genug Duchamp-Fans sind (Gipsstraße 4). Wie zum Beispiel Edel Exel, die eine Glasplatte und eine kunstvoll zerschnittene Zeitungsseite in ein reizend fragiles Mobile verwandelte (150 Euro). Oder Pierre Granoux, dessen Auflagenobjekt den verwirrenden Titel „2 octobre 1998“ trägt, in Wahrheit jedoch aus einem verkleinerten Duchamp’schen Flaschentrockner besteht, den Granoux in Buddelschiff-Manier in eine Weinflasche transferiert hat (60 Euro).

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Es gibt in Berlin noch eine ganze Reihe von weiteren Galerien, die Multiples und günstige Einzelstücke verkaufen. Barbara Wien gehört dazu (Linienstraße 158) oder der Kioskshop Berlin (Ksb) des Künstlers HN Semion, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, seine während des Studiums der Klassischen Archäologie erworbenen Kenntnisse auf einen neuzeitlichen Kiosk zu übertragen. Seitdem wächst sein Projekt unaufhörlich, und vielleicht wird irgendwann ganz Berlin von der Semion-spezifischen opaken Wachsschicht überzogen sein (Schröderstraße 1). In der Vorweihnachtszeit nicht versäumen sollte man auch einen Besuch im Museum der unerhörten Dinge des Künstlers Roland Albrecht (Crellestraße 5-6). Dort findet man Dinge, die man im Alltag leider viel zu häufig vermisst, wie etwa einen „roten Faden“. Das Schöne ist: Bei Albrecht ist die Orientierung gar nicht teuer, man bekommt sie schon für 25 Euro.

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