Kultur : An eine Planung von Kunst am Bau wird oft zu spät gedacht

NK

Auch beim ARD-Hauptstadtstudio mit Sitz an der Spree verhält es sich nicht anders, wo erst eine gute Weile nach Übergabe des schönen Baus von Manfred und Laurids Ortner die Kunst Einzug gehalten hat. Wie in den meisten Fällen wurde also auch hier zu spät an eine integrierte Planung der Kunst am Bau gedacht. Dennoch präsentiert sich das vom Berliner Büro für Kunst und Kultur entwickelte Konzept wie aus einem Guss mit der Architektur, wie aus einem Ansatz mit der Tätigkeit der heutigen Nutzer. Ein Glücksfall, denn bei solchen Voraussetzungen wirkt die Kunst meist wie appliziert. Neben Veronika Kellndorfer mit einer Siebdruckarbeit in der Haupthalle, Thomas Locher, der in die Fassadenfenster einen Kommentar zum Grundrecht der Meinungsfreiheit eingravieren ließ, und Brigitte Kowanz, die die Farbskala des Fernsehbildes auf der Schiebetür im Entree anbrachte, ist auch die Berliner Künstlerin Dagmar Demming mit ihren Sprach-Stills vertreten. "Stille hören" addierte sie im Konferenzraum der Hörfunkredaktion mit ihrer zweiteiligen Fotoarbeit zu einem überraschenden Begriffspaar. Durch das Motiv der Gebärdensprache, das sich auch in ihren anderen Diptychen wiederholt, brachte sie jene Bevölkerungsgruppe ins Studio, die von der Telekommunikation eigentlich ausgeschlossen ist: die Gehörlosen. Den Journalisten mag dies eine beständige Mahnung sein, die Klarheit der Begriffe, die Eindeutigkeit der Aussage nicht aus dem Blick zu verlieren.

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