Kultur : Andachtsbilder

ELFI KREIS

Dmitri Prigov zählt zusammen mit Kabakov und Bulatov zum Gründerkreis der Moskauer Konzeptualisten.In Rußland wurde er vor allem als Dichter, Schauspieler und Regisseur bekannt.Prigov selbst nennt sich in Anspielung auf den kommunistischen Sprachgebrauch "Arbeiter der Kultur".1963 setzte er für sich ein Plansoll von mindestens drei Gedichten am Tag fest.Rund vierzigtausend Gedichte umfaßt seine Produktion.Seit den achtziger Jahren entstehen bühnenbildartige Installationen.Ebenso manisch wie Prigov schreibt, zeichnet er täglich neue Entwürfe.Prigov ist ein Grenzgänger zwischen Bild und Text und verknüpft seine Installationen mit sprachlichen Elementen.Bereits 1991 zeigte das Institut für Auslandsbeziehungen in Berlin Prigovs Ausstellung "100 Möglichkeiten.Installationen für eine Putzfrau und einen Klempner".Nun entdeckt man in der ifa-Galerie die Putzfrau auf Zeitungsseiten der "Prawda" wieder.Eine Zentralfigur in Prigovs Standardrepertoire, symbolisiert sie das einfache russische Volk.In mechanischer Manier füllt Prigov dazu seine Blätter mit winzigen Strichlagen schwarzer Tusche und destilliert aus der Überfülle vorhandener Zeichen neue Zeichenordnungen.Stets steht dabei das Sakrale, in einen säkularisierten Kontext überführt, im Mittelpunkt."Das dritte Auge" nennt Prigov seine neue, esoterisch wirkende Serie überarbeiteter Kopien von fotografischen Porträts aus Zeitschriften.

Bis vor kurzem setzte sich Prigov noch mit Emblemen der ehemaligen Sowjetunion auseinander.Nun bedient sich der russische Konzeptkünstler einer religiösen Ikonografie.Im Zentrum der Schau steht die Installation "Pulsierendes Schwarz".Die altarähnliche Situation verweist auf einen pupillenartigen Kreis hinter dunklem Vorhang.Eine lange, mit schwarzer Stoffbahn verhüllte Tafel führt dorthin.Darauf liegen in schwarzen Samt verpackt und weiß verschnürt Gegenstände des Alltags als Requisiten eines säkularisierten Abendmahls: eine Flasche, Bücher und Steine statt Brot.Die Kelche, an denen der Besucher vorbeigeht, sind schlichte Gläser, gefüllt mit Farb- und Kunststoffcocktails.Auf das banalisierte Mysterium folgt ein böses Ende.Zum Ritual der Macht gehört auch das Opfer.Statt dem Opferlamm trifft es einen Teddybären.Den Schuß aus der Flinte markiert ein rotes Seil, das als Blutfaden in ein Glas tropft.Weiß auf Schwarz steht auf der Rückwand das Wort "töten".Nicht sein Werk, sich als Künstler wolle er zum Gesamtkunstwerk stilisieren, so Prigov.Er treibt ein parodistisches Spiel, bei dem die Grenzen zwischen ironischer Distanz und ernsthafter Identifikation verschwimmen.

Ifa-Galerie, Neustädtische Kirchstr.15, bis 21.März.Katalog 18 DM.

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