Kultur : "Andere Lüste": Jerzy Pilch erzählt von Land und Liebe

Tina Heidborn

Pawel Kohoutek hat die sentimentale Angewohnheit, seiner jeweils "aktuellen Freundin" von seiner Heimat, dem Teschener Ländchen, zu erzählen. Kohoutek bezeichnet sich selbst als "ganz normalen Lustmolch", aber seine aktuelle Freundin kann nach all seinen Erfahrungen nicht ganz normal sein. Denn sie taucht urplötzlich mit Sack und Pack bei Pawels Familie im Teschener Ländchen auf. "Andere Lüste" hat der polnische Autor Jerzy Pilch seinen Roman genannt, der überaus amüsant von Pawels Nöten mit dem Vergnügen berichtet.

Ganz normal ist in diesem Roman niemand. Pilch beschreibt das Leben der Protestanten in der Enklave mit Liebe zum irrwitzigen Detail, originellem Wortwitz und munteren Abschweifungen. Und mit jener einfachen Lust am Fabulieren, die Geschichtenerzählen zeitlos macht. Im Hintergrund schlummern die Jahre des Sozialismus bis hin zu den Repressalien Stalins, und bisweilen wird schlagartig klar, dass Pilch im leichten Plauderstil am Rande Geschichten miterzählt, die man auch mit Grabesstimme vortragen könnte. "Andere Lüste" aber ist ein heiteres Buch. Es harmlos zu nennen, fällt nur wirklich böswilligen Lesern ein.

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