Angela Merkel und der Erste Weltkrieg : Die Lehre aus dem Krieg: miteinander sprechen!

Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet im Deutschen Historischen Museum eine Ausstellung über den Ersten Weltkrieg - und bekennt sich dabei leidenschaftlich zu Europa.

Christian Schröder
Angela Merkel im Schlüterhof des Berliner Zeughauses.
Angela Merkel im Schlüterhof des Berliner Zeughauses.Foto: AFP

„Was haben wir gelernt?“, fragt ein großes Banner, vor dem Angela Merkel am Mittwochmittag steht, um im Deutschen Historischen Museum die Ausstellung „1914-1918. Der Erste Weltkrieg“ zu eröffnen. Die Bundeskanzlerin weiß eine Antwort: nicht in „Sprachlosigkeit und Handlungsstarre“ zu verfallen wie die politischen Akteure damals. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, habe zuvor zwischen einigen Regierungschefs „jahrelang Funkstille“ geherrscht. Das Europa von heute hingegen lebe vom Wandel der Gesprächskultur: „Wir sehen uns, wir sprechen miteinander, wir kennen uns – so entsteht Vertrauen." Auf die Kraft der Kommunikation vertraut die Kanzlerin auch in aktuellen Konflikten: „In der Ukraine setze ich darauf, dass jetzt nach den Präsidentschaftswahlen ein neuer Anfang gemacht wird und eine Lösung im Dialog möglich ist.“ Gesprächsfäden dürfen nicht reißen, das ist ihr Credo. So habe sie sich zuletzt dafür eingesetzt, dass auch der russische Präsident Wladimir Putin zu den Feiern zum 70. Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie eingeladen wird, die am 6. Juni stattfinden.

Merkel sprach im Schlüterhof des Zeughauses, zwischen den barocken Reliefs mit den Köpfen sterbender Krieger. An den überdachten Raum habe sie „persönlich sehr gute Erinnerungen“. 2007 hatten dort die europäischen Staatschefs unter deutscher EU-Ratspräsidentschaft den 50. Jahrestag der römischen Verträge gefeiert. „Wir europäischen Bürgerinnen und Bürger sind zu unserem Glück vereint“, jubelte die Kanzlerin pathetisch, ein wenig klang es so, als ob der Europa-Wahlkampf noch nicht vorbei sei. Der europäischen Einigung hätten es die Menschen zu verdanken, dass sie „seit 50 Jahren in Frieden und Freiheit“ lebten.

Anschließend diskutierte Merkel auf dem Podium mit einigen Schülern und Studenten sowie einer Historikerin über die Lehren aus dem Ersten Weltkrieg. In der Ausstellung, „deren Besuch ich jedem empfehlen kann“, habe sie besonders ein eher unspektakuläres Objekt beeindruckt, eine Berliner Küche, die dort die Auswirkungen des Krieges an der hungernden „Heimatfront“ versinnbildlichen soll. „So eine Küche kannte ich von meiner Großmutter.“ Die Welt, die in der Ausstellung ausgebreitet wird, erinnert in vielen Einzelheiten an unsere Gegenwart, aber es gibt auch erhebliche Unterschiede. „Man hat damals von einer Erbfeindschaft zwischen Deutschland und Frankreich gesprochen, als wäre das ein Naturgesetz“, so die Kanzlerin. „Uns erscheint das heute absurd.“

Ein wichtiges Projekt ist für die Kanzlerin die Verbesserung der fremdsprachlichen Bildung. „Wir müssen uns miteinander verständigen können.“ Dass Bürger eines europäischen Landes längere Zeit in einem anderen europäischen Land leben können, müsse noch mehr zu einer Selbstverständlichkeit werden. Es gibt bereits ein gemeinsames deutsch-französisches Geschichtsbuch für den Unterricht in beiden Ländern. Nun wird an einem deutsch-polnischen Geschichtsbuch gearbeitet, „was schwierig ist“. Auf das Erstarken der rechtsextremen, europafeindlichen Parteien bei den Europawahlen angesprochen, sagte Merkel: „Es gibt eine Sehnsucht, wenn die Probleme zu groß sind, ob sie sich dann nicht in der kleinen Einheit besser lösen lassen als in der großen. Das ist genau die falsche Antwort.“

Museumsdirektor Alexander Koch nannte den Ersten Weltkrieg in seiner Ansprache „einen Krieg, wie es ihn bis dahin noch nicht gegeben hatte, eine Gewalteskalation sondergleichen“. Die Ausstellung „1914-1918. Der Erste Weltkrieg“ versammelt rund 500 Exponate, die aus 13 Ländern stammen. Sie ist bis zum 30. November zu sehen.

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