Kultur : Angenehmer Sphärenklang

UWE FRIEDRICH

Selbst bei den Raritäten produzieren die Berliner Opernhäuser noch Doubletten: Erst vor kurzem präsentierte die Neue Opernbühne Gustav Holsts Einakter "Savitri", und jetzt stellt die Hanns-Eisler-Hochschule das jugendstilhaft wuchernde Werk im Apollosaal der Staatsoper vor, gekoppelt mit der Parabel "Zerrissene Saiten" des indischen Komponisten Param Vir.Doch auch diesmal zeigten sich die Berliner wenig interessiert, selbst der kleine Apollosaal war längst nicht ausverkauft, trotz der eigens herangekarrten japanischen Touristengruppen.

Holst vertonte eine indische Legende, in der Savitri den Tod überlistet, damit er ihren Mann zurückgibt.Bühnenbildnerin Christine Engler setzt das Publikum auf zwei Tribünen rechts und links der Spielfläche, das kleine Orchester sitzt neben der rechten Tribüne, der nur Vokale singende Chor sorgt von der umlaufenden Galerie für angenehmen Sphärenklang.Regisseur Markus Finkbeiner hat sich offenbar gründlich mit indischen Theatertechniken, inbesondere mit der Handhaltung in zeremoniellen Aufführungen auseinandergesetzt.So stellen die überraschend guten Sänger immer wieder ritualisierte Handhaltungen aus.Glücklicherweise vergißt er darüber nicht, seine Protagonisten auch nach europäischen Maßstäben in spannungsreiche Konstellationen zu führen.Vor allem der sanft und doch nachdrücklich strömende Mezzosopran von Ilsegret Weuda hinterläßt einen starken Eindruck, was dem langweiligen Werk aber nur momentweise aufhilft.Wenigstens ist ihr tenoraler Strahlemann Stefan Glunz angemessen dankbar für die Rettung.

Nach einer halben Stunde ist "Savitri" glücklich zu Ende gebracht.Nach einer halben Stunde Spieldauer ist hingegen in Param Virs "Zerrissene Saiten" gerade mal die erste der vier Saiten gesprungen, und doch hat das Publikum die simple Handlung schon längst durchschaut: Einem begriffsstutzigen König wird von seiner Theatertruppe beigebracht, daß Kunst von Können kommt, er sieht ein, daß fleißiges Üben zur Selbsterkenntnis führt.Dirigent Stewart Emerson hatte bereits "Savitri" von seinem Kammerorchester erfreulich farbenreich und unsentimental spielen lassen, in Param Virs Oper stellt er vor allem die rhythmischen Konturen der schlagwerklastigen, tonal grundierten Partitur in den Vordergrund.Aber allzu brav läßt der Komponist die Texte abspulen, eins nach dem anderen kommen die erwähnten Tiere herein, von denen sich vor allen anderen Sängern die Koloratursopranistin Andrea Chudak als Fisch gegen die watteweiche Überakustik des Apollosaals durchsetzen kann.

In den halbstarren Kostümen von Diana Achtzig können sich die Richter verstecken, aufgeregt laufen sie umher, wenn die Saiten reißen.Besonders die komisch-grotesken Momente läßt Regisseur Finkbeiner amüsant ausspielen.Von den jungen Sängern läßt der Tenor Kornel Kittelmann als aufbrausend-siegessicherer junger Sänger Musil aufhorchen.Komponist Param Vir zeigte sich sowohl mit der szenischen Umsetzung als auch mit dem erleichtert-freundlichen Applaus sehr zufrieden.

Weitere Aufführungen heute und morgen, 20 Uhr

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