Kultur : Angst vor der Riesenschlange Buchhandel, konzentriert:

Hugendubel & Weltbild

Jörg Plath

Bisher starrte der vorwiegend mittelständische Buchhandel in Deutschland auf die Handelskette Thalia wie das Kaninchen auf die Schlange. Jedes Jahr wächst der Marktführer, hinter dem der Parfümeriekonzern Douglas steht, um knapp 20 Prozent, vor allem durch Aufkäufe. Nun ist eine zweite Schlange hinzugekommen, und sie ist noch größer als die erste: Weltbild und Hugendubel vereinigen ihre Filialen zur Finanzholding „DBH Buch Handels GmbH & Co. KG“, die zudem die Mehrheit an den Ketten Weiland und Buch Habel erwirbt.

Der Branchenzweite und -dritte tun sich zusammen, um sich beim Branchenelften und -dreizehnten einzukaufen. Das neue Unternehmen – mit den Marken Weltbild, Weltbild plus, Jokers, Wohltat’sche, Hugendubel, Weiland und Buch Habel – deklassiert die Thalia-Kette mit ihren 461 Millionen Euro Umsatz mühelos: Die DBH setzt 672 Millionen Euro um, besitzt 451 Buchhandlungen und beschäftigt 3400 Angestellte. Ein Gigant.

Schon Heinrich Hugendubel plante vor Jahren die Fusion mit Thalia und Weiland, um Marktführer zu werden. Nun gelingt es seinen Erben Nina und Maximilian. „Als Familienunternehmen“, sagt Nina Hugendubel, „können wir nicht so agieren, wie wir gerne möchten. Wir brauchen einen Partner für Know-how und Investitionen, und mit Weltbild haben wir beste Erfahrungen gemacht.“

Hugendubel hat gemeinsam mit dem Augsburger Konzern, der der katholischen Kirche gehört, Weltbild plus betrieben. Nun bringt das Münchner Familienunternehmen seine Filialen in die neue DBH ein, Weltbild steuert die Weltbildplus-Läden sowie Kapital in unbekannter Höhe bei. Für manche sieht das nach einem verdeckten Kauf aus. Doch Nina Hugendubel betont: „Das ist eine echte Partnerschaft. Die DBH gehört beiden Gesellschaftern zu gleichen Teilen, und in den einzelnen Firmen gibt es weiterhin eigene Geschäftsführungen. Die Marken bleiben souverän.“ Souveränität im operativen Geschäft, Kooperation im Hintergrund: Die DBH soll die Datenverarbeitung und das Warenwirtschaftssystem perfektionieren, bei der Standortsuche helfen und die Expansion finanzieren.

Folkert Roggenkamp vom Verband unabhängiger Buchhändler lässt diese Konstruktion an Täuschung denken: „Die Vielfalt des Buchhandels wird schamlos als bloße Fassade vermarktet.“ Auch Reinhold Joppich, Vertriebsleiter von Kiepenheuer & Witsch, zweifelt am dezentralen Einkauf: „Irgendwann wird die DBH ihre Einkaufsmacht bündeln. Durch die Konzentration drohen unabhängige Buchhandlungen zu verschwinden.“

Das Kartellamt muss das neue Unternehmen noch genehmigen. Der Marktanteil der DBH liegt zwar unter zehn Prozent – doch wenn alle Buchhandlungen an einem bestimmten Ort der DBH gehören, liegt trotzdem ein Monopol vor. Dass ausgerechnet vier Große der Branche meinen, sie könnten den Herausforderungen der Zukunft nur mit vereinter Kraft begegnen, lässt die Lage für kleinere und mittlere Läden hoffnungslos aussehen. Die einzige Antwort der Marktwirtschaft auf Konzentration lautet: noch mehr Konzentration.

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