Kultur : Anhaltender Höhenflug

Christie’s und Sotheby’s feiern ihre Bilanzen

Matthias Thibaut

„Sotheby’s erwartet, dass der gegenwärtige Auftrieb am internationalen Kunstmarkt anhält“, meldet frohgemut die Halbjahresbilanz des Auktionshauses – obwohl es im Vergleich mit dem Erzrivalen Christie’s in der ersten Jahreshälfte 2005 den Kürzeren zog.

Christie’s setzte weltweit Kunst für 1,65 Millionen Dollar um – eine Steigerung von erstaunlichen 32 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und der höchste Halbjahresumsatz der Unternehmensgeschichte. „Dieses Ergebnis spricht für sich“, freute sich Generaldirektor Ed Dolman. Das Privatunternehmen, das dem Franzosen François Pinault gehört, konnte eine Reihe der teuersten Auktionspreise des Halbjahres verbuchen, darunter Constantin Brancusis Skulptur „Oiseau dans l’espace“ für 27,4 Millionen Dollar. Noch höher stieg eine chinesische Antiquität aus dem 13. Jahrhundert: Ein Porzellantopf der Yuan Dynastie brachte in London 15,7 Millionen Pfund – das sind 27,7 Millionen Dollar.

Sotheby’s fiel dagegen mit seinem Gesamtumsatz von 1,3 Milliarden Dollar hinter sein Ergebnis von 2004 zurück, als allein Picassos „Junge mit der Pfeife“ aus der Sammlung Whitney Greentree 104 Millionen Dollar einspielte. Dagegen nimmt sich der Preis für das Toplos dieser Saison bescheiden aus: Wieder ist es ein Picasso, doch „Femmes d’Algers“ blieb im Mai in New York mit 18,6 Millionen Dollar in einer ganz anderen Preisklasse.

Investment Banker und Hedge Fond Manager wie der Amerikaner Steven A. Cohen, der unter anderem bei einem Direktverkauf 52 Millionen Dollar für ein Gemälde von Jackson Pollock bezahlte, treiben den Markt für die Contemporary Art immer höher. In diesem Segment sind die Preise laut der Datenbank Artprice in den letzten 12 Monaten um 13 Prozent gestiegen. Die Umsätze liegen nun gleich mit der Japanerhausse von 1990 – nur auf einer viel breiteren und gesünderen Grundlage, behaupten die Auktionatoren. Groß eingestiegen sind etwa russische Käufer und die Chinesen: Christie’s meldet für die Asienmärkte in 2005 bislang Umsatzsteigerungen von 54 Prozent.

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