Kultur : Animal Farm

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„Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch“, dichtete Gottfried Benn auf seine Zeitgenossen. Das Schwein hat keinen guten Ruf unter uns Menschen. Es wird als Schimpfwort missbraucht. Ähnlich schlecht ist das Image des Krokodils. Es gilt als gefährliches Ungeheuer, das eigentlich nur auf der Brust eines Polohemds sein gefräßiges Maul aufreißen darf. Die Brandenburgischen Kunstsammlungen in Cottbus laden nun ausgerechnet unter dem Titel „Krokodil und Schwein“ zu einer „Fotosafari durch die Großstadt“.

Vier Fotografen zeigen das Leben der Tiere inmitten der menschlichen Zivilisation. Rolle und Funktion des Tiers haben sich ziemlich gewandelt, seitdem der Mensch ihm wegen seines Fleisches oder seines Fells mit der Keule nachstellte. Heute finden sich die wilden Tiere nur noch im Zoo. Lucinda Devlin hat die dortigen „Habitate“ als künstliche Paradiese abgelichtet, wo Krokodil und Eisbär gut ausgeleuchtet hinter Panzerglas im Wasser planschen dürfen. Christina Zück konzentriert sich bei ihren Tier-Porträts auf die „Personality-Show“ der Zoo-Models: das Känguru als lässiger Intellektueller, das Schwein als verschmitzter Komiker und die Giraffe als liebevoll-sorgende Mutter.

Wilmar Koenig zeigt, dass gerade da, wo die Inszenierung von Natur am künstlichsten ist, der intime Einblick in das Leben der Tiere am lebendigsten scheint. Schade nur, dass der Hase im Feld, die Eule im Wald und die Pinguine am Strand schon tot sind: Es handelt sich um Dioramen mit ausgestopften Tieren vor gemalten Hintergründen aus dem Naturkundemuseum. Und selbst Jochen Lemperts Nahblick auf die Physiognomie von Affen zeigt, dass die vom Präparator zugerichtete Dermoplastik dem Tier menschliche Züge verleiht. Das Tier mit dem menschlichen Antlitz bildet das Zeichen für die andauernde Anthropozentrik unseres Weltbildes. Ronald Berg

Brandenburgische Kunstsammlungen Cottbus, bis 22. September. Katalog 9,50 Euro.

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