Kultur : Anmachen tun alle

OPER

Jörg Königsdorf

Mozart und Lorenzo da Ponte mochten die Frauen. Deshalb schrieben sie Così fan tutte , eine abendfüllende Oper, die ganz der Anmut und der Verführbarkeit der weiblichen Seele gewidmet ist. An der Neuköllner Oper mag man Mozart und man mag Männer. Was also läge näher, als diese Geschichte kurzerhand zum schwulen Beziehungskarrussel umzufunktionieren? Ihren Ruf hat die Off-Bühne zum Gutteil den kecken Bearbeitungen vergessener Bühnenwerke zu verdanken, warum also nicht einmal Hand an einen Klassiker legen? Mutig ist Regisseur Robert Lehmeier die Sache angegangen und hat das Lehrstück auf eindreiviertel Stunden eingedampft; viel Arbeit hat Winfried Radeke investiert, um den Orchesterpart auf acht Pianistenhände zu verteilen und die Frauenrollen für raue Männerkehlen umzuarbeiten, und Peter Lund, der Chef des Hauses, hat die Dialoge ein bisschen frech aufgebrezelt. Doch Mozartliebe und Männerliebe lassen sich nicht so leicht unter einen Hut bringen: Anmache und Zickerei funktionieren im umgepolten Handlungsgerüst zwar gut, aber um das zu zeigen braucht es keine „Così“. Spannend wird’s nur, wo die Musik auf die Probe gestellt wird: Wenn das Finale sich in einer aberwitzig beschleunigten Endlosschleife als Leerlauf offenbart. Doch meist steht das, was von Mozart übrig bleibt, quer im coolen Bühnenbild (Markus Meyer). Verkleidungen, Verführungsversuche und vor allem die Musik: Die Tour de force, Mozarts Frauenrollen von Männern singen zu lassen, fügt der Musik keinen neuen Sinn hinzu, sondern nimmt ihr bloß die Empfindungstiefe. Dabei wird nicht einmal so schlimm gesungen, wie zu befürchten wäre: Der galligen Despina von Christian Senger hört man gern zu, der Ferrando Jan Remmers bringt sogar ein wenig lyrischen Tenorglanz ins Spiel. Und weckt Sehnsucht nach mehr Mozart (noch bis zum 14. 9).

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