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Dating-Komödie: „Shoppen“ von Ralf Westhoff

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Ganz schön unromantisch, dieser Thorsten (Matthias Bundschuh). Nicht mit einem Strauß Rosen tritt er seiner Traumfrau gegenüber, sondern mit einem Schreibblock. Ob Frauen es sexy finden, wenn sie sich mit einem Mann über frühere Beziehungen, Haustiere und Lieblingsspeisen unterhalten und er ständig mitschreibt? Andererseits: Ist nicht jeder Flirt ein Bewerbungsgespräch?

So unromantisch-ehrlich wie Thorstens Mitgeschreibe ist der Ort, an dem neun Frauen und neun Männer umeinander werben. Das sogenannte Speed Dating findet in einer Mehrzweckhalle statt: keine Designermöbel, keine Musik. Fünf Minuten hat jeder Zeit, sich anzupreisen, dann ertönt der Gong. Aufstehen, Umsetzen, neue Konstellation. Arthur Schnitzlers „Reigen“ ist Vorbild, nur dass sich das Karussell heute schneller dreht.

Die Leistung des Autors und Regisseurs Ralf Westhoff besteht darin, für alle 18 Personen eine eigene Sprache gefunden zu haben. Mag sein, dass es sich bei dem Personal um Klischeefiguren handelt: die Karrierefrau, die Todessehnsüchtige, die Nervensäge, der Schnösel, der Proll, der Umweltaktivist, und eben Thorsten, der Meinungsforscher.

Ein Klischee mag schnell ermüdend wirken, bei 18 Klischees ist Abwechslung garantiert. Das liegt auch daran, dass sich in dieser ernst zu nehmenden Komödie nicht nur 18 Menschen um einen Lebenspartner bewerben – es bewerben sich auch 18 Schauspieler um weitere Rollen. Westhoff hat sich in der Münchner Theaterszene umgeschaut und Darsteller gefunden, die trotz Film- und Theatererfahrung unverbraucht wirken. Sie verfügen über eine so starke Präsenz, dass man nie den Überblick verliert.

Ist „Shoppen“ nun eine Beziehungskomödie? Die Leute suchen nach einer Beziehung, und vieles von dem, was sie sagen, ist komisch. Aber der Humor wirkt niemals aufgesetzt. Eher kann man von einer soziologischen Studie reden - wenn das nicht zu humorlos klänge. F. N.

Cinemaxx Potsdamer Platz, Delphi, Hackesche Höfe, International, Kino in der Kulturbrauerei, Yorck

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