Kultur : Anna Thalbach im Interview: "Die Möwe" im Maxim-Gorki

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Einen Wodka-Orange, bitte!

Den haben Sie sich verdient, sie haben ja gerade eine knapp fünfstündige Probe hinter sich.

Ja, den Sekt gibt es aber erst zur Premiere.

Sie proben gerade "Die Möwe" von Tschechow. Was reizt Sie an diesem Stück?

Das Schöne an dem Stück ist: Jede Figur ist eine Hauptfigur, alle sind gleich präsent. Die Nina gefällt mir aber am besten, weil sie eine Entwicklung durchmacht. Sie will sich verändern: weg von den Eltern, Schauspielerin werden. Am Ende hat sie plötzlich eine Biografie.

Sie haben das Theater dagegen in die Wiege gelegt bekommen. Schon Ihre Großmutter hat bei Brecht gespielt, ihre Mutter ist ein Theater- und Filmstar. Eine Schauspielschule mussten Sie nie besuchen.

Ja, ich bin durch die Familie da hineingerutscht. Ich musste nie die Entscheidung treffen: Jetzt werde ich Schauspielerin. Ich habe mit Film angefangen, Theater fand ich immer total bescheuert, so wie den Deutschunterricht in der Schule.

Jetzt spielen Sie trotzdem Theater. Sie haben mal gesagt, im Theater könne man eine Rolle entwickeln, beim Film gehe es oft nur um den Handel mit Gesichtern.

Ich mag ja trotzdem gerne Filme und gehe sogar lieber ins Kino als ins Theater. Vielleicht, weil es weniger auffällt, aus einem schlechten Film früher herauszugehen als aus einem schlechtes Theaterstück. Aber das Schöne am Theater ist, dass man eine Figur von Anfang bis Ende entwickelt. Die Arbeit am Film ist immer Stückwerk, man spielt die Szenen wild durcheinander und sieht erst am Ende den dramaturgischen Bogen.

Die Nina sagt im Stück einmal: "Mein Vater und seine Frau finden, hier riecht es nach Boheme. Sie haben Angst, dass ich Schauspielerin werde." Hatten Ihre Eltern Angst, Sie könnten keine Schauspielerin werden?

Klares Nein. Meine Eltern haben mir alle Freiheiten gewährt, das zu tun, was ich für richtig halte. Und das werde ich mit meiner Tochter, die jetzt fünf wird, auch so halten. Auch wenn das natürlich geil wäre: die fünfte Generation.

Bei der "Möwe" führt Katharina Thalbach die Regie. Wie ist Ihre Mutter denn so als Chefin?

Ich kann micht nicht beklagen. Sie ist geduldig und ruhig, sehr schauspielerfreundlich. Vielleicht, weil sie selbst Schauspielerin ist. Sie sagt immer, sie würde mich härter anfassen als andere, aber davon merke ich nichts. Sie behandelt mich weder besser noch schlechter. Ich schätze meine Mutter als Regisseurin sehr. Wir sind bereits ein gutes Team, denn das ist schon unsere zweite gemeinsame Bühnenarbeit, da bekommen wir langsam Routine.

Stört es Sie, wenn man Sie an ihrer Mutter misst?

Das geht den Kindern von Anwälten oder Ärzten auch nicht anders. Da muss man durch. Ich denke auch nur darüber nach, wenn ich mit den Kritiken konfrontiert bin. Auf der Bühne mache ich meine Arbeit - so wie ich sie für gut halte, sonst nichts.

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