Anna Vinnitskaya spielt Bartók beim RSB : Das Klavier als Schlagzeug

Anna Vinnitskaya spielt mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester alle drei Klavierkonzerte von Béla Bartók - und ist nicht zu toppen.

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Nicht zu toppen. Anna Vinnitskaya war eine Wunschbesetzung.
Nicht zu toppen. Anna Vinnitskaya war eine Wunschbesetzung.Foto: Gela Megredlize

Es ist das vielleicht aparteste Programm, zu dem Marek Janowski und das Rundfunk-Sinfonieorchester in ihrer langen, intensiven Zusammenarbeit eingeladen haben. Dass die Philharmonie auch diesmal gut besucht ist, spricht für die Aufgeschlossenheit und Neugier des RSB-Publikums jenseits der Klassik mit Beethoven als dem beliebtesten Komponisten.

Die drei Klavierkonzerte von Béla Bartók einmal an einem Tag nacheinander zu spielen, erweist sich als gelungenes Experiment. Weil die Musik in ihrer Angriffslust Freude macht und die Vortragsfolge Spotlights bietet aus dem Komponistenleben. So steht sie zugleich für Stationen im Werdegang Bartóks.

Man hat in der russischen Pianistin Anna Vinnitskaya, die seit 2009 als Professorin in Hamburg lehrt, eine Wunscherfüllung für dieses Projekt gefunden. Das betrifft nicht nur den Schlagcharakter des Klaviers, seine Schlagzeughaftigkeit, die sie zum Staunen beherrscht, sondern auch, dass sie fein zu vermitteln weiß zwischen „barbarischen“ Ausbrüchen und Grazie der Klänge.

Vinnitskaya als Künstlerin entspricht dem Ausnahmekonzert

Für das erste Konzert (1926) hat Janowski das reiche Schlagwerk zwischen zweite Geigen und Bratschen nach vorn gezogen, um die Dialoge zwischen Solo und Bläserkulisse zu intensivieren. Bartók, selbst einer der besten Pianisten seiner Zeit, schreibt mit dem zweiten Konzert (1930/31) das schwierigste, da das Klavier auch als rhythmisch-perkussives Element die absolute Führung übernimmt. Es ist überaus glänzend im virtuosen Satz, toccatenhaft mit Imitationen im Bach’schen Stil. Nach dem nachdenklichen Adagio mit Streichern und Pauke ist Vinnitskaya im hochgepeitschten Finale nicht zu toppen.

Ist dieser Gipfel virtuosen Aspekts erklommen, spielt sie nach der zweiten Pause das dritte Konzert (1945), das im Zeichen der Rückschau steht. Einfachheit, „Adagio religioso“, Vogelstimmen bezeichnen das (unvollendete) Werk aus dem Todesjahr des Komponisten.

Die Pianistin zeigt sich gewinnend auch optisch: Angetan mit drei Festkleidern im Wechsel, angemessen ihrer Modelfigur, das glänzendste in der Mitte gleich der Musik, entspricht die Künstlerin dem Ausnahmekonzert.

Es dokumentiert die wundersame Einheit Bartóks von Konstruktion und Farbvision, einen Personalstil, der schwer zu fassen ist und doch an diesem Frühlingssonntag aufblüht.

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