Anna von Hausswolff : Die Waberhexe

Hall, Nebel und traurige Teppichgewänder: Die schwedische Organistin Anna von Hausswolff gab ein mittelprächtiges Konzert im Berghain.

Kirsten Riesselmann
Mirakulös. Die schwedische Musikerin Anna von Hausswolff.
Mirakulös. Die schwedische Musikerin Anna von Hausswolff.Foto: Anders Nydam

Man erwartet eine Messe. Eine dunkle Orgelmesse in moll, dargebracht in der heiligen Halle der Clubweltkathedrale Berghain. Anna von Hausswolff aus Schweden ist zu Gast. Jene Musikerin, die mit der Orgel einen Hybriden mit einem gewissen Alleinstellungsmerkmal erschaffen hat: eine abgründig-dräuende Musik, die Elemente aus Dark Wave, Prog Rock, Kirchenmusik, Doom, Black Metal und schlichtem Folk verwebt.

In den Texten geht es um waldschattige Kindheitsorte, verzaubert und gleichzeitig blutige Stätten früherer Schlachten. Um den Tod, immer und immer wieder. Darum, die zukünftigen eigenen Kinder zu Grabe zu tragen.

Existenziell, verquast und zu dick aufgetragen, aber auch von berückender Schönheit und Kraft, vor allem auf dem Debütalbum „Ceremony“ von 2012. Ihr zweites Album „The Miraculous“ spielte die 29-Jährige auf einer Orgel mit 9000 Pfeifen ein, es ist musikalisch schwärzer, zäher, gitarrenlastiger. Auf dem Cover rahmt ihr langes, blondes Haar kein Gesicht, sondern ein verstörend schwarzes Loch.

Fast versteckt sitzt sie hinter einem Keyboard

Live gibt’s dann leider keine Messe, sondern ein mittelmäßiges Konzert, das vor allem von zerdehntem Gewaber geprägt ist: Nebelschwaden, viel Hall, sich schnell leerlaufende Echo-Effekte auf der Stimme. Von Hausswolff sitzt fast versteckt hinter einem Keyboard, schüttelt die Mähne und bedankt sich artig. Mit auf der Bühne: Drummer, Zweitkeyboarder, Bassist, Gitarrist, Letztere in traurigen Teppichgewändern steckend und damit betraut, Flächig-Verstrahltes zu spielen und viel shoegazerhafte Geduld aufzubringen.

Nur zwei Mal gelingen überzeugende Momente

Ein überwältigendes, packendes Hörerlebnis entsteht dabei nicht. Trotz waberndem Gelärme wirkt dieses Konzert fast verzagt. Nur einmal vibrieren Luft und Zwerchfelle, aber das liegt vor allem an der Lichttechnik, die bei „Evocation“ mit blauen Stroboblitzen nachhilft. Ein zweiter guter Moment ist das stehend vorgetragene Lied „Stranger“, bei dem Anna von Hausswolff in ihr fast lachhaftes Pannesamt-Vampircape gehüllt, als Bucklige über die Bühne humpelhüpft. Die Inkarnation der Hexe von heute scheint ihr ein leicht verschämt dargebrachtes Anliegen.

Bei der Zugabe, einem „tribute to the real master of space“, hofft man auf einen Schlüssel zu diesem musikalisch wie semiotisch vernebelt-unpräzisen Hausswolff-Kosmos („Burzum-Gate“ sei hier noch erwähnt: Die Musikerin trug vor Jahren ein T-Shirt von Burzum, dem Soloprojekt des Mörders und Rechtsradikalen Varg Vikernes), aber es bleibt mirakulös. Ob’s ein Tribut an Bowie, Sun Ra oder doch Aleister Crowley ist? Ach, man höre von Hausswolff lieber auf der Heimanlage.

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