Anne-Sophie Mutter in Berlin : Große Gefühle hinter Glas

Anne-Sophie Mutter hat mit Yefim Bronfman und Lynn Harrell eine neue Trio-Formation gegründet - die sich jetzt in der Philharmonie erstmals in Berlin vorgestellt hat.

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Anne-Sophie Mutter
Anne-Sophie MutterFoto: dpa

Wenn Anne-Sophie Mutter mit ihren beiden Musikerfreunden Yefim Bronfman und Lynn Harrell in die Philharmonie kommt, um Kammermusik zu machen, dann dauert es schon eine gute Weile, bis sich man sich das Missverhältnis zwischen Saalgröße und Trio-Besetzung zurechtgehört hat.

2000 Menschen sitzen um die drei einsamen Instrumentalisten auf der Riesenbühne – ein Zehntel davon wäre ideal, damit sich eine angemessen intime Atmosphäre einstellt. Doch die Stargeigerin hat einfach zu viele Fans, die sie auch von ihren Projekten jenseits der Abende mit großem Orchester nicht ausschließen will – und so bleibt dem Besucher nichts anderes übrig, als sich wenigstens gedanklich ganz nah an das Geschehen auf dem Podium heranzuzoomen.

„The Mutter-Bronfman-Harrell-Trio“ nennt sich die Formation auf etwas gespreizte, modisch-anglofone Weise. Und doch macht die Schreibweise Sinn – weil die Kopplung der Namen anzeigt, dass hier drei Partner auf Augenhöhe agieren, dass es nicht darum geht, Mutter zwei höfliche Begleiter zur Seite zu stellen. Im Gegenteil: Gerade bei Beethovens „Erzherzog-Trio“ tritt die Violinstimme oft in den Hintergrund, ist ein Spiel mit wechselnden Hauptrollen zu erleben. Wunderbar weich wirkt der Anschlag des Pianisten Yefim Bronfman, ungemein plastisch vermag Cellist Lynn Harrell noch den kleinsten Einwurf, die schlichteste melodische Wendung zu gestalten.

Gemeinsam streben die drei nach höchster Verfeinerung, es geht ihnen um subtilste Nuancen und perfekt ausbalancierte Proportionen. Also meiden sie bewusst starke Kontraste oder plakative Helldunkeleffekte, bleiben immer nobel-klassizistisch, selbst dort, wo Beethoven seinen Interpreten auch mal die große emotionale Geste nahelegt.

Bei Tschaikowskys A-Moll-Trio wird der Gestus opernhafter, melodramatischer. Anne-Sophie Mutter lässt die Violine volltönend singen – ohne dabei jemals die Kontrolle über die romantischen Erregungszustände aufzugeben, nach dem Vorbild erfahrener Belcanto-Diven. Und so werden im Zusammenspiel der drei abgeklärten Virtuosen dann auch hier die zarten, gläsern-zerbrechlichen Pianissimo-Passagen zu Höhepunkten einer Interpretation von vollendet kunstvoller Künstlichkeit.

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