Anne-Sophie Mutter und ihre "Virtuosi" : Nur eine spielt die erste Geige

Stargeigerin Anne-Sophie Mutter stellt in Berlin ihre Stipendiaten vor, die unter dem Namen „Mutters Virtuosi“ musizieren.

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Die Mentorin hat gut lachen. Stargeigerin Anne-Sophie Mutter, im Hintergrund ihr "Virtuosi"
Die Mentorin hat gut lachen. Stargeigerin Anne-Sophie Mutter, im Hintergrund ihr "Virtuosi"Foto: Stefan Höderath/DG

Schon optisch sticht Anne-Sophie Mutter in der ausverkauften Philharmonie aus dem Kreis ihrer „Virtuosi“ heraus: Während die jungen, allesamt hochbegabten Stipendiatinnen und Stipendiaten aus ihrer Stiftung in unauffälliges Schwarz gekleidet sind, trägt Mutter ein wunderbar modelliertes, pink-goldenes und wie üblich schulterfreies Kleid. Auch musikalisch spielt sie, so verlangt es das Format, in jeder Hinsicht die erste Geige: Sie ist die Protagonistin in Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ und spielt auch den ersten Solo-Part in Bachs Doppelkonzert, während der zweite für jeden Satz neu vergeben wird.

Man kann es ja nicht oft genug sagen: Immer noch kann niemand so Geige spielen wie Anne-Sophie Mutter. Gegen ihre in tausend Farben schillernden Interpretationen nehmen sich Darbietungen auch berühmter Kolleginnen und Kollegen wie Bleistiftskizzen aus. Auffällig ist zudem die seltene Kombination von vorwiegend romantischen Spieltechniken mit einer offenbar wesenhaften Abneigung gegen jede Sentimentalität. Deren Gegensatz kann allerdings manchmal auch eine gewisse, immer perfekt kontrollierte Künstlichkeit sein. Wie man das im Einzelfall findet, ist selbstredend Geschmackssache.

Die Ecksätze aus Bachs Doppelkonzert muss man jedenfalls nicht so rasant schnell, das Largo kann man schlichter spielen. Warum Anne-Sophie Mutter ihren Part mit zahlreichen Verzierungen ausschmückt, während die zweite Solo- Stimme jeweils streng beim Notentext bleibt, erschließt sich nicht. Abstimmung und Zusammenspiel der Musiker sind allerdings phänomenal.

Im 2015 uraufgeführten, gestisch prägnanten Nonett von André Previn spielen Mutter und Wei Lu die virtuosen Unisono-Passagen tatsächlich wie mit einer Stimme. Und die bereits für das im Berliner Club „Neue Heimat“ aufgenommene Album der Geigerin erprobte Interpretation der „Jahreszeiten“ fasziniert durch zahlreiche aparte Klangeffekte. Alles in allem ein Abend, der eher beeindruckt als berührt. Benedikt von Bernstorff

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