Kultur : Annett Louisan

Diese Woche auf Platz 18 mit: „Bohème“

Ralph Geisenhanslüke

Die Debatte um die Deutschquote im Radio schien nach dem rituellen Getöse bei der Popkomm zunächst erledigt. Doch Plattenfirmen und Radiosender beharken sich weiter. Nüchtern betrachtet geht es weniger um einen Kulturkampf als um Geld: Jedes Mal, wenn ein Song im Radio läuft, muss der Sender dafür zahlen. Eine Adresse für neue, aufregende Musik sind die meisten Format-Dudler allerdings schon lange nicht mehr. Ob das mit 35 Prozent staatlich verordneter deutscher Beteiligung besser klänge?

Nimmt man das Debüt von Annett Louisan, müsste man sagen: ja. Denn Louisans Lied „Das Spiel“ ist genau die Sorte Song, die man im Radio hört und die sich dann im Ohr festfrisst. „Ich will doch nur spielen“, singt sie – und weist mit sanfter Entschiedenheit einen Liebhaber zurück, der nach einer Nacht zu viel von ihr will. Die 25-jährige Lousian, aus Brandenburg nach Hamburg verzogen, spielt geschickt mit ihrer Kindfrau-Optik und zaubert mit Hilfe des Produzenten und Texters Frank Ramond sparsam-effektive Chansons aus dem Ärmel. Liederlich, entwaffnend, manchmal auch schön boshaft – und ohne irgendeine Tümelei. Früher sprach man von „Turntable-Hits“, wenn eine Platte mäßig verkauft wurde, aber oft im Radio lief. Annett Louisan ist zu wünschen, dass es dabei nicht bleibt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben