Kultur : Anti Aging

KLASSIK

Carsten Niemann

Junge Leute an die Klassik heranzuführen, gilt als knifflige Aufgabe. Dabei gibt es ein überzeugendes Erfolgsrezept: „Spielt gute laute Musik.“ Als Peer-Group für diese Devise könnten die Mitglieder des Landesjugendorchesters Berlin auftreten: Am Ostermontag präsentierten sie die klangmächtigen Ergebnisse des diesjährigen Frühlingsworkshops im Konzerthaus . Wer hätte nicht mitmischen mögen im Feuertopf von Antonín Dvoráks Karneval-Ouvertüre, den Altmeister Michail Jurowski mit sparsamsten Dirigierbewegungen am Überkochen hinderte! Und wie hätte man nicht für Augenblicke den 1976 geborenen Nadim Helow beneiden sollen für die Entscheidung, das Schlagzeug in den Mittelpunkt seines Lebens zu stellen: eine Entscheidung, die es ihm ermöglichte, den Riesensaal in Áskell Mássons Trommelkonzert mit federleicht geklöppelten Schägen zu füllen.

Gelegenheit für das sauber intonierende Blech, sich technisch die Hörner abzustoßen, bot die Ouvertüre zu Händels Feuerwerksmusik. Dass jugendliche Kraft aber nicht in Kraftmeierei enden muss, bewies man in Schostakowitschs sechster Sinfonie. Bestens vorbereitet zeigten die mit melancholischem Ernst singenden Holzbläser sowie die kammermusikalisch präzisen, in lyrischen Momenten ausdrucksstarken Violinen im Verein mit Jurowski, wie man Klanglust und Kraft durch Kontrast und Konzentration erhält. Und lieferten so ganz beiläufig das, woran es trotz Boom im Anti-Aging-Sektor erheblich mangelt: an einer Vision bleibenden Frühlings.

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