Kultur : Anti-Hippie

Arthur Lee, Sänger der Band Love, ist tot

Christian Schröder

Wer 1967, im Sommer der Liebe, nach San Francisco kam, steckte sich Blumen ins Haar. Ein paar hundert Meilen weiter südlich wehten keine Haschschwaden über Wiesen, auf denen Studenten händchenhaltend Ringelpietz tanzten. In Los Angeles waren die Drogen härter und die Musik lauter. Der Sänger und Gitarrist Arthur Lee, der sich selber als „ersten schwarzen Hippie“ bezeichnete, veröffentlichte 1967 mit seiner Band Love das Album „Forever Changes“. Die Texte handelten von Todeswünschen und Sexualneurosen, statt vom „Summer of Love“ war von einem „Bummer in the Summer“, einem Horrortrip, die Rede. Mariacchi-Trompeten schmetterten durch Folkgitarren-Harmonien, räudiger Rhythm’n’Blues wurde zu orchestraler Großkunst aufgepumpt. „Forever Changes“, das damals nur in England die Top 30 erreichte, gilt heute als eine der besten Popplatten aller Zeiten.

Arthur Lee, 1945 in Memphis geboren, hatte Surf-Songs komponiert und mit Jimi Hendrix den Hit „My Diary“ für die Sängerin Rosa Lee Brooks eingespielt. 1965 gründete er die Band Grass Roots, die sich bald darauf in Love umbenannte. Sie wurde die erste Rockgruppe, die – noch vor den Doors – bei der Plattenfirma Elektra einen Vertrag bekam. Mit ihren exaltierten Live-Shows und ihrem wuchtigen Sound stiegen Lee und seine Mitstreiter rasch zu Stars der kalifornischen Psychedelia-Szene auf. Auf ihrem Debütalbum war eine punkartige Version des Pop- schlagers „My Litte Red Book“ zu hören, den Burt Bacharach und Hal David für den Film „What’s New, Pussycat?“ geschrieben hatten. Das zweite Album „Da Capo“ enthielt das 17 Minuten lange Stück „Revelation“, das – revolutionär! – eine ganze LP-Seite füllte.

Als sich Arthur Lee nach „Forever Changes“ von seinem Mitstreiter Bryan Maclean trennte, war die beste Zeit der Band vorbei. Es folgten einige mediokre Platten, Drogenprobleme hielten Love von Tourneen und Fernsehauftritten ab, 1970 ging die Gruppe auseinander. Lee nahm mit Hendrix ein Jam-Session-Album auf, das nicht herauskam. Nach seiner Soloplatte „Vindicator“ verschwand er 1972 in der Versenkung. 1995 machte er noch einmal Schlagzeilen, weil er im Streit mit einem Nachbarn eine Waffe abgefeuert hatte. Er wurde als Wiederholungstäter zu einem Strafmaß von acht bis zwölf Jahren verurteilt, von denen er fünf absaß. 2002 kam er bei einer Welttournee auch nach Berlin und spielte die „Forever- Changes“-Songs.

Im Februar war bei Arthur Lee Leukämie diagnostiziert worden. Jetzt ist er mit 61 Jahren in Memphis gestorben.

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